Lisas Leidenschaft – Schreiben als Lebenselexier und Berufung


Im Rahmen meiner Schreibpädagogik-Ausbildung habe ich Lisa als warmherzige, humorvolle und einfühlsame Dozentin kennengelernt. Sie schafft es den Raum zum Schreiben durch ihre Kombination aus Leichtigkeit, Verspieltheit bei gleichzeitiger Tiefe, Leidenschaft und Wertschätzung aufzumachen und zu halten. Ich habe die Kombination ihrer Persönlichkeit und der Einbringung dieser in ihre Kurse als sehr besonders und berührend erlebt und habe deswegen direkt an weiteren Kursen bei ihr teilgenommen.

 

Was ist das Besondere an ihren Schreibkursen?

Neben den oben genannten Persönlichkeitseigenschaften schafft sie es den Druck der Perfektion beim Schreiben zu nehmen und einen leichten und unkomplizierten Zugang zu diesem zu ermöglichen. Lisas Schreibkurse kann ich jedem nur empfehlen, egal ob Anfänger:innen oder Fortgeschrittene. Ihre Kurse entfachen das Feuer zum Schreiben (wieder) und ich war immer erstaunt, woher die Worte aus mir gepurzelt kamen und welche Erkenntnisse sie mit sich brachten.

Heute möchte ich dir Lisa und ihre Selbstständigkeit mit dem passenden Namen „Herz & Tinte“ vorstellen. Im Interview erfährst du mehr über sie und ihre Leidenschaft und wie sie aus ihrer Berufung einen beruflichen Weg gestaltet hat.

Lisa, vielen Dank für Dein Vertrauen und Deine Bereitschaft die doch sehr persönlichen Fragen zu beantworten.

 

Wann und wie hast Du Deine Leidenschaft zum Schreiben entdeckt?

Als Grundschulkind! Damals waren es die ersten Aufsätze. Ich weiß noch, wie ich auf meinem Schulweg täglich durch einen Park spazierte und mir Geschichten ausdachte, das war wie ein erstes Verliebtsein… Dann auch im Theater, meine Mutter war Orchestermusikerin. Und mit 10 bekam ich mein erstes Tagebuch geschenkt, das war eine weitere neue Welt… mit dem Tagebuchschreiben habe ich seitdem wirklich nie mehr aufgehört.

 

Was genau fasziniert Dich am Schreiben so sehr?

Für mich persönlich ist es DER Weg, um zügig und klar in mein Innerstes zu tauchen und daraus zu schöpfen – Gefühle, Gedanken, Erkenntnisse. Und es ist das Sprachrohr der kreativen Funken! Die Kreativität, die wir alle in uns haben, aus der wir sogar bestehen, kann diesen tollen Weg nutzen, um sich auszudrücken. Alles wird so schnell ersichtlich, zeigt sich reiner als im Mündlichen.

 

Gibt es durch das Schreiben Verknüpfungen zu anderen Künsten (bei Dir)?

Ich mache Musik, spiele Keyboard und singe in einer Band. Es ist nur eine andere Möglichkeit des Ausdrucks, auch dabei wird so viel Sprache verwendet – im gemeinsamen Spielen, in den Liedtexten… mal sehen, was sich da noch alles entwickelt!

Generell ist es herrlich, das Schreiben mit anderen Künsten zu verbinden. Ich habe mit Teilnehmenden schon geknetet, getanzt, gesummt, gemalt… und das als weitere Anregung für Ideen genutzt, um anschließend ins Schreiben zu kommen. Die Kreativität scheint sich dadurch wirklich zu potenzieren.

 

Kannst Du etwas empfehlen, um die Kreativität anzuregen und Schreib-Blockaden abzubauen?

Blockaden entstehen ja häufig dann, wenn wir meinen, uns selbst einen Anspruch auferlegen zu müssen. (Oder wenn jemand von außen das tut und wir gefallen wollen.) Etwas muss „gut“ sein, was auch immer das genau bedeuten mag. Meist haben wir das in der Schule so gelernt, leider. Daher braucht es das Verstehen: Bewertung spielt in diesem Moment keine Rolle. Ich DARF, weil es mein menschlichen Urbedürfnis ist, mich auszudrücken. Auf meine absolut individuelle Weise. Und wenn auch nur ganz für mich allein – das ist die niedrigste Hemmschwelle. Vielleicht sogar: Schreiben für den Mülleimer, einfach drauflos, wie Julia Camerons berühmte „Morgenseiten“. Meiner Beobachtung nach sinkt das Auftreten von Schreibblockaden mit der gemachten Erfahrung, dass es tatsächlich möglich ist, einfach loszuschreiben. Ein kleiner Schreibkurs mit wertschätzender Atmosphäre und vielen bunten Anregungen, die Ängste abbauen, wäre da zu empfehlen… ;-). Und: Sich kreativ erleben auf allen Feldern, die zugänglich sind – Tanzen, Musizieren, Plastizieren…

Letztlich zeigen sich in Zweifeln oder Blockaden sehr viele eigene Themen, wenn man bereit ist, sie genauer zu betrachten.

 

Was war Dein Antrieb aus Deiner persönlichen Leidenschaft „dem Schreiben“ Deine Selbstständigkeit mit „Herz und Tinte“ zu kreieren?

Wie so oft im Leben fügt sich alles, wenn man das tut, was man liebt. Und das rückblickend zu erkennen, ist so spannend. Ich hatte in einer sehr herausfordernden Phase ein Jahr lang an einem autofiktiven Text gearbeitet und mich hineinvertieft wie noch nie zuvor, als das Angebot einer Ausbildung zur Schreibpädagogin auf mich zugeflattert kam. Da wusste ich intuitiv, dass es das ist  – dass ich diese Erfahrung weitergeben möchte gepaart mit der Anregung von Fantasie, Geschichten, Träumen! Ich habe ganz klein angefangen, parallel zum Homeschooling meiner Kinder, das war also völlig verrückt, zwischen Mathefrust und Mittagessenkochen. Alles weitere hat sich nach und nach entwickelt und tut es – zum Glück – noch heute.

 

Gab es Hindernisse auf dem Weg zur Gründung und Umsetzung Deiner Selbstständigkeit und wenn ja was hat Dir geholfen diese zu überwinden?

Der Prozess, etwas aus sich selbst Erschaffenes auf den Markt zu bringen, ist eine emotionale Achterbahnfahrt, wirklich unglaublich. Das erlebe ich auch bei Frauen um mich, die ihren eigenen selbstständigen Weg gehen. Werte, Selbstwertfragen, Rollenkollisionen, Überforderung, Meinungen von außen, Glücksrausch, Staunen… die ganze Palette. Ich habe mich im Bereich Marketing und Ideenentwicklung eine Weile professionell begleiten lassen im Team mit zwei weiteren Frauen, das war eine tolle Unterstützung. Alles weitere an Themen habe ich größtenteils schreibend für mich gelöst, na klar…

 

Was ist das Schönste an Deinem Beruf und was das Herausforderndste?

Das Schönste? Vier Dinge:

Der Moment, in dem eine Gruppe Menschen durch meine Anregungen völlig vertieft im Schreiben versinkt. Alles wird still, die Stifte sind zu hören, ein Blatt raschelt hier und da. Ansonsten absolute Konzentration. Der ganze Raum taucht ein in diesen magischen Zustand, und dabei jede/r für sich in die eigene Innenwelt. Ich halte regelmäßig den Atem an.

Dann die Texte…! Perlen, was habe ich alles schon gehört und gelesen, unglaublich.

Die erfüllten Rückmeldungen der Menschen, die die beglückende Wirkung des Schreibens erfahren durften.

Und die wärmende zwischenmenschliche Verbundenheit, die durch den Austausch an sehr persönlichen, frischen Texten entsteht (ob frei erfunden oder autobiografisch).

Herausfordernd sind Menschen, die grenzüberschreitend auftreten, weil sie eigentlich etwas anderes bräuchten als mein Angebot. Aber das erlebe ich zum Glück nur äußerst selten.

 

Was würdest Du jemanden raten, der sich mit seiner persönlichen Leidenschaft selbstständig machen möchte? Was sollte diese Person mitbringen?

Ich empfehle, sich Unterstützung zu holen in den Bereichen, in denen man sich nicht gut auskennt. Allein von Interessierten gefunden zu werden, ist schon solch eine Hürde, das war zumindest mir persönlich lange gar nicht klar! Aber ich finde es auch extrem wichtig, an das Eigene, Individuelle zu glauben, sich bei allen Tipps und Tricks nicht sehr zu verbiegen, und abzuwägen, mit wem man wann in dieser sensiblen Entwicklungsphase spricht. Letztlich soll ja etwas wachsen, was authentisch ist. Mit diesem Wunsch ist man am Anfang schließlich losgegangen…

Weniger einfach in der Selbstständigkeit sind Phasen, in denen es nicht so gut läuft – bei mir ist das meist die Sommerzeit. Da hilft nur, über die Jahre zu erfahren, wie das Ganze so tickt, und immer wieder in’s Vertrauen zu gehen. Manches durschaut man einfach auch nicht.

 

Welche Tipps würdest Du einer Person geben, die mit dem Schreiben anfangen möchte?

Für viele Menschen ist das gemeinsame Schreiben unter Anleitung wirklich der einfachste Weg. Sie werden unterstützt und gestärkt, und sie erleben, dass anfängliche Unsicherheiten allen gemeinsam sind. Bewusstes Wahrnehmen und Notieren ist z.B. auch eine schlichte, tolle Sache – in der Natur, im Café… Mit einem Block oder Schreibbuch dazusitzen, achtsam mit allen Sinnen präsent zu sein und alles aufzuschreiben ist wirklich wahnsinnig interessant und gleichzeitig höchst individuell. Und das Material wird quasi vom Außen geliefert.

 

Welche Deiner Kurse kannst Du für den Einstieg zum Schreiben empfehlen?

Ich biete immer wieder Schnupperworkshops und einen Einführungskurs an. Aber letztlich sind alle meine Kurse offen für Menschen, die schreiben möchten, ob mit oder ohne Erfahrung. Tatsächlich kommen eigentlich nur Menschen zu mir, die eine große Offenheit und Entdeckerlust mitbringen; und das ist, was es braucht! Das Schreiben entsteht im Tun, und das Tun wird von mir und auch von der Gruppe angeregt.

 

Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen, Lisa.

Ich hoffe, Dir hat das Interview gefallen und inspiriert Dich vielleicht selbst Deine Leidenschaften genauer zu betrachten und das Potenzial darin für Dich zu erkennen.

Hier bekommst Du weitere Infos zu Lisa und Ihrem Angebot: https://www.herzundtinte.de/