Kennengelernt habe ich Gisela über eine Bekannte, die mir erzählte, dass Gisela ein Buch mit dem Titel “Seelenhände” geschrieben hat. Der Titel hat mich so neugierig gemacht, dass ich Kontakt zu ihr aufgenommen habe. So entstand dieses Interview, in dem es darum geht, dass es nie zu spät ist mit dem Schreiben anzufangen, um den Schreibprozess selbst und was ihr dabei geholfen hat. Es geht um die Motivation ein Buch zu schreiben, um Hilfestellungen während des Schreibprozess, um Vorerfahrungen und um Mut.

Es erwartet dich ein inspirierendes Interview, das zeigt, dass es nie zu spät ist mit dem Schreiben anzufangen.

Viel Spaß beim Lesen .

 

Wie bist du darauf gekommen ein Buch zu schreiben?
War es schon immer ein Traum von dir?

Ein Traum war es nicht, im Gegenteil, ich fühlte mich total untalentiert dafür. Der Gedanke daran war manchmal da, aufzuschreiben, welche Erfahrungen ich in meinem Leben gemacht habe. Ich wollte anderen Menschen Hoffnung geben, dass es immer wieder eine Möglichkeit gibt, nach schlechten Erlebnissen aufzustehen. Keiner hat das Recht uns die Flügel zu stutzen. Das dürfen wir nicht zulassen.

 

Was hat dich letztendlich dazu veranlasst das Buch zu schreiben?

Ich befand mich in einer sehr schwierigen Lebenssituation. Ein Freund, Martin Bolik, vom Verlag der Autoren, gab mir den Rat, doch einmal aufzuschreiben, was mich so sehr bewegte.

 

Wie alt warst du als du das Buch geschrieben hast?

Ich war gerade 70 Jahre alt. Ich setzte mich tatsächlich an den Computer und fing an zu schreiben. Es war unglaublich, ich konnte nicht mehr aufhören. Die Worte ergossen sich nur so über mir. Erinnerungen waren so präsent.

 

Hattest du schon Vorerfahrung mit dem Schreiben?

Vor ein paar Jahren hatte ich schon 2 Foto/Textbücher herausgebracht. Ich fotografiere sehr gerne in der Natur und habe oft auch Textezu den Motiven im Kopf .

 

Wie bist du im Schreibprozess und auch später in der Umsetzung bis zur Erscheinung des Buches vorgegangen?

Martin Bolik hat mir den Aufbau eines Buches erklärt, den ich dann versucht habe, umzusetzen. Freunde haben mir geholfen, den Text in Form zu bringen und die Grammatik zu korrigieren, und dann den Text für den Druck zu formatieren.

 

Wer und/oder was hat dir dabei geholfen?

Es ist ausgesprochen hilfreich Freunde zu haben, die bei allen Fragen und Problemen helfen können. Alleine hätte ich das nicht gekonnt.

 

Was empfiehlst du den Leser:innen, worauf sie achten sollten, wenn sie selbst ein Buch schreiben wollen?

Zeit nehmen, nicht unter Druck schreiben, Konzept erarbeiten, Inhaltsverzeichnis grob skizzieren, Schreibzeiten festlegen. Wenn man ins Stocken gerät, einfach pausieren, bis der Impuls zum Schreiben wieder da ist.

 

Was hat dich motiviert bis zum Ende dran zu bleiben?

Ehrlich gesagt habe ich zwischendrin einige Monate Pause gemacht, habe den Inhalt in Frage gestellt, habe mich stark kritisiert und wollte aufgeben. Ich denke aber, das geht vielen Autoren so. Irgendwann habe ich mich wieder ans Schreiben gewagt und es lief. Dann hatte ich den Willen, es zu schaffen.

 

Warum  sollte man dein Buch unbedingt lesen?

Wer das Buch liest, dem werden Lebenssituationen seines eigenen Lebens vor Augen gehalten. Die Leser kommen ins Nachdenken, Grübeln, Erinnern. Sie können Mut bekommen ihre Probleme zu meistern. Durch Anikas Geschichte können die Leser einen anderen Blickwinkel auf ihr eigenes Leben erhalten.

 

Was möchtest du den Lesern:innen noch mitteilen?

Schreiben ist Leben und Leben ist Schreiben! Diese Aussage ist relevant.

 

Vielen Dank für deine Offenheit und dein Vertrauen.

 

Wenn das Interview deine neugierig auf Gisela Wellge geweckt hat, hast du am 05.06.2024 um 19.00 Uhr in der BÜCHER-HEIMAT in Bad Harzburg die Möglichkeit mehr über Gisela und ihr Buch “Seelenhände” zu erfahren.

Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. 

Ich kenne Marco als kreativen Kopf, als jemanden, der die Dinge einfach macht und seine Ideen umsetzt, ohne Angst davor zu haben, was die Leute im “Ort “darüber denken könnten.

Er stellt sich auf eine Bühne, zaubert und unterhält. Er verkauft Wundertüten beim Weihnachtsbasar der Schule mit der Magie eines Zauberers. Er reist mit seinem Flohzirkus umher, steht auf den Bühnen Europas, verzauberte schon viele Prominente und eröffnete mit seiner Wunderkammer ein Theater in einem Ort, den viele nur durch den Harzer Schnitzelkönig kennen. Er hilft, unterstützt und packt mit an, z.B. seit mehr als zehn Jahren beim jährlichen Obdachlosenfest von Frank Zander im Berliner Estrel Hotel. Menschen wie Marco machen den Unterschied, bleiben sich selbst treu und können andere dadurch inspirieren.

Deshalb freue ich mich sehr über das Interview mit Marco. Es zeigt, wie etwas wirklich Wundervolles entstehen kann, wenn wir unseren ganz eigenen Weg gehen, auf unsere innere Stimme hören und ihr auch folgen.

Viel Spaß beim Lesen.

 

Marco, wenn Du den Einleitungstext so liest habe ich Dich aus Deiner Sicht richtig beschrieben oder wie würdest Du Dich beschreiben?

Das passt schon alles ziemlich gut. Die Zauberkunst ist schon immer meine Leidenschaft. Kreativ sein, seinen Weg gehen, überall  Magie entdecken und für Lachen und Staunen zu sorgen. So kann man es kurz zusammenfassen. Ich stehe auf der Bühne seit ich denken kann. Meine ersten Auftritte hatte ich im Freundeskreis, da war ich gerade mal 10 Jahre alt. Nach Ausbildung und Zivildienst habe ich mich mit Anfang 20 dafür entschieden, hauptberuflich auf der Bühne zu stehen. Diese Entscheidung habe ich noch keine Sekunde bereut.

 

Kreative Berufe werden ja oft noch etwas abgetan, vor allem in Regionen, in denen das Handwerk so vorherrschend ist und als etwas Handfestes gilt. Da ist das Kreative oft noch verschrien als brotlose Kunst. Wie erlebst Du das?

Glücklicherweise habe ich nie Wert darauf gelegt, was andere über meinen Beruf denken. Es ist auch kein Beruf, den ich gewählt habe, es ist eine Berufung, der ich folge.

Vielleicht habe einige anfangs diesen Beruf belächelt – spätestens nachdem sie mich im TV oder bei einer Live Show erlebt haben, kam dann die Bewunderung. In den letzten 25 Jahren habe ich mehr als 3000 Shows gespielt und sehr viele Leute kommen regelmäßig zu meinen Auftritten. Eigentlich erlebe ich meistens sehr viel Respekt.

 

Wie würdest Du Deinen Beruf bezeichnen? Gibt es überhaupt eine Bezeichnung dafür? Oder sind es einfach so viele Bereiche, die Du bespielst, dass Du Dich mit der Überschrift Künstler beschreiben würdest?

Natürlich gibt es eine Bezeichnung, die ich gerne höre: Zauberkünstler. Oft höre ich auch Zauberer oder Magier, aber ich finde Zauberkünstler trifft es am besten. Es ist ja nichts Übernatürliches, was ich mache, sondern eher die kreative, künstlerische Auseinandersetzung mit dem Staunen. Ein Verdrehen der Wirklichkeit. Zauberei als Kunstform.

 

Was wolltest Du mal werden und wie sah Dein beruflicher Werdegang aus?

Ich wusste schon sehr früh was ich wollte und bin dann einfach meinen Weg gegangen. Nach der Schule habe ich eine Ausbildung zum Hotelfachmann gemacht, um Einblicke in die Veranstaltungsorganisation, die Buchhaltung und die Gastronomie allgemein zu bekommen. Fundiertes Wissen, das für meinen weiteren Weg wichtig war. Danach kam der Zivildienst und noch eine kurze Zeit in der Tourist Information. In beiden Jobs habe ich Veranstaltungen organisiert und mir das entsprechende Fachwissen angeeignet. Dann war ich bereit für den Schritt in die Selbstständigkeit als Zauberkünstler. Es lief alles wie geplant und, wie schon gesagt, habe ich diesen Schritt nie bereut. Es hat ein wenig Zeit gebraucht, bis der Terminkalender regelmäßig gut gefüllt war, aber auch diese Zeit habe ich gut genutzt und mit Strassenzauberkunst mein Können trainiert und mein Geld verdient. Mittlerweile unterhielt ich Menschen in ganz Europa, von Kopenhagen bis Monte Carlo.

 

Wann wusstest Du, dass Du nicht den Mainstream-Weg gehst und einen Nine to Five Job machst?

Das wusste ich praktisch, seit ich das erste Mal darüber nachgedacht habe. Es war schon immer mein Ziel auf der Bühne zu stehen und Menschen zu verzaubern. Ich wollte nie etwas anderes.

 

Wie bist Du auf die Idee mit der Wunderkammer gekommen oder hattest Du schon immer den Traum von der Wunderkammer?

Die Wunderkammer war eigentlich mein Probenraum, mein „Zauberatelier“, mein Raum zum kreativ sein. Also vor etwas mehr als zehn Jahren meine Tochter geboren wurde, wollte ich etwas mehr Zeit zuhause verbringen. So kam es, dass ich in den Wintermonaten weniger reiste und aus dem Proberaum ein kleines Theater baute, das sich in 10 Jahren zu einer der erfolgreichsten Kleinkunstbühnen Norddeutschlands gemausert hat. Mittlerweile sind die jährlich ca. 60 Veranstaltungen zwischen September und Mai absoluter Kult und immer ziemlich schnell ausgebucht.

 

Wie fühlt es sich an seinen ganz eigenen Weg zu gehen? Welche Hürden musstest Du dafür in Kauf nehmen?

Der Komponist Arnold Schönberg prägte das Zitat „Kunst kommt nicht von Können, Kunst kommt von Müssen.“ Genauso ist es bei mir: Ich muss meinen Weg gehen und das fühlt sich gut an. Hürden oder Probleme vergesse ich immer sehr schnell.

 

Was bedarf es aus Deiner Sicht, um sich selbst treu zu bleiben und seine Stärken zu leben?

Mut, Fokus, Disziplin und Faszination. Als erstes muss man sich trauen, sich selbst treu zu bleiben und sich nicht einengen lassen. Dann darf man seinen Fokus nie verlieren. Man muss mit viel Disziplin an seinen Zielen arbeiten und die Begeisterung und Faszination für die Sache jeden Tag neu erleben.

 

Hast Du schon früh gewusst wer Du bist und was Dich ausmacht?

Ich würde sagen ja und ich habe das auch nie in Frage gestellt.

 

Hattest Du Menschen, die an Dich geglaubt haben und Dich auf Deinem Weg bestärkt haben?

Natürlich! Meine Frau glaubt schon immer an mich. Meine Eltern und meine gesamte Familie haben mich immer bekräftigt meinen Weg zu gehen. Sehr schnell hatte ich auch die Bewunderung des Publikums.

 

 

 

Gab es Hürden und Hindernisse auf dem Weg zur Wunderkammer und wenn ja wie hast Du diese überwunden?

Natürlich gab es hier und da Hürden und Hindernisse auf dem Weg zum eigenen Theater, aber ich hatte eine Vision. Wenn man fokussiert ein Ziel vor Augen hat und seinen Weg geht, dann geht man ganz locker auch über Hürden und Hindernisse.

 

Gibt es noch etwas was Du den Lesern mitgeben möchtest, was Du als wichtig im Leben erachtest?

Vergesst nicht die Faszination für die kleinen Details. Verlernt nicht das Staunen. Magie ist überall!

 

Vielen Dank für das offene Gespräch. Wer Marco live erleben möchte oder seine Gäste, der kann sich auf seiner Plattform der Wunderkammer umsehen und sich verzaubern lassen. Hier geht´s ab in die Wunderkammer.

Warst du schon mal in der Wunderkammer in Lautenthal? Wenn nicht, wird es aber Zeit :-).  Die Wunderkammer zählt zu einer der erfolgreichsten Kleinkunstbühnen Norddeutschlands und verzaubert nicht nur durch ein abwechslungsreiches Bühenprogramm, sondern auch durch das ganz besonderen Ambiente in nostalgischer Wohnzimmeratmosphäre.

Neben faszinierenden Zaubershows warten bei Gastspielen die großen Namen der deutschsprachigen Comedy-, Musik- und Kleinkunstszene auf dich. Also worauf wartest du? Sicher dir dein Ticket und erlebe große Wunder in der kleinen Bergstadt.

 

Werte bestimmen unser Leben, ob wir das wollen oder nicht. Unsere Werte sind uns aber oft nicht bewusst und beeinflussen unsere Lebensbereiche aus dem Unterbewusstsein heraus.

Vom Neurologen und Psychiater Viktor E. Frankl stammt der Satz ” Werte kann man nicht lehren, nur vorleben” und wenn ich das so lese gebe ich ihm Recht. Denken wir doch nur an die ganzen Verbote in der Kindheit und Jugend “kein Alkohol und keine Zigaretten, kein Essen vor dem Fernseher, nicht soviel Süßigkeiten, usw.” . Irritierend war es dann doch, wenn die Eltern das Gegenteil von dem taten, was sie uns versucht haben beizubringen. So falsch kann es ja dann doch nicht sein, haben wir uns vielleicht insgeheim gesagt oder?

Heute wissen wir Vieles besser und sind trotzdem nicht schlauer. Ein Großteil unseres Handelns wird aus dem Unterbewusstsein gesteuert. Aus unseren Werten werden dann Denkmuster, Glaubenssätze und Handelsmuster geformt und wer schon einmal versucht hat auf die Schnelle etwas in seinem Leben zu verändern, musste vielleicht feststellen, dass es dann doch nicht so einfach war, wie anfangs gedacht. Das zeigt wie wichtig unsere Werte sind und was für einen Einfluss diese auf unser Leben haben.

Wie können wir nun mit Hilfe unserer Werte unser Leben bestimmen und eine solide Grundzufriedenheit schaffen?

Als erstes ist es wichtig seine Werte zu kennen. Was sind überhaupt die eigenen wichtigsten Werte? Im zweiten Schritt kann man sich fragen, lebe ich diese Werte eigentlich? Vielleicht zeigt sich bei der persönlichen Wertesammlung auch, dass es Wertekonflikte gibt. Als Beispiel kann der Wert Freiheit im Konflikt mit dem Wert der Sicherheit stehen. Hier gilt es nun zu schauen, welchen Kompromiss man schließen kann, um beide Werte zu bedienen.

Unzufriedenheit und auch Stressgefühle können sich aus so einem Wertekonflikt ergeben, aber ungelebte Werte haben Einfluss auf unsere Zufriedenheit. Diese beiden Ursachen überhaupt in Betracht zu ziehen ist schon ein Riesenschritt in Richtung Zufriedenheit und Ausgeglichenheit.

Wenn du dir Unterstützung bei deiner Werteermittlung und der Einbindung der wichtigsten Werte in dein Leben wünscht, kontaktiere mich gerne für ein Coaching unter www.harz-happiness.de.

Ich freue mich auf dich.

Was hat dich dazu bewogen dich selbstständig zu machen ?

Ehrlich gesagt, war es die absolute Unzufriedenheit in meinem Beruf. Der Stillstand, mangelnde Wertschätzung und die fehlende Möglichkeit sich weiter zu entwickeln.

 

In welchem Bereich hast du dich selbstständig gemacht und warum?

Ich habe ein Zoofachhandelsgeschäft ohne lebende Tiere. Da ich selber schon immer Tiere hatte und habe, wollte ich etwas machen, womit ich meine Leidenschaft für Tiere verbinden konnte. Darüber hinaus habe ich mich im Bereich der Hunde- und Katzenernährung weitergebildet. Wie beim Menschen auch, bin ich der Meinung, dass eine gesunde Ernährung die Grundlage für ein gutes Leben ist.

 

Wie bist du auf die Idee gekommen und was hat dich daran gereizt?

Das Geschäft des Vorbesitzers stand zur Veräußerung. Mich hat vor allem gereizt es ‘besser’ zu machen. Ich hätte es wahrscheinlich nicht so toll gefunden, wenn irgendjemand irgendwas und das vor allem sehr lieblos gemacht hätte.

 

Wer oder was hat dir geholfen?

Mein Mann, meine Cousine und ihr Mann haben mir sehr geholfen. Handwerklich sowie finanziell. Zudem ist meine Cousine sehr kreativ und hat immer eine Überraschung für meine Kunden. z.B. selbstgemachte Karten oder individuell mit Tiermotiven bedruckte Hoodies.

 

Welche Herausforderungen gab / gibt es ?

Die größte Herausforderung war, als sich bei der Übernahme vieles anders darstellte als vorgegeben. Das war für mich nicht nur finanziell eine große Herausforderung sondern vor allem persönlich eine große Enttäuschung. Dann kam Corona. Wir durften zwar als Grundversorger öffnen, aber das hat auch nicht geholfen, wenn Kunden dennoch ins Internet abgewandert sind. Im Kern habe ich bisher 3 große Hürden überlebt. Die Übernahme, einen Umzug und somit eine Verkleinerung des Geschäfts und Corona. Ich kann nur hoffen, dass das auch mit den Felsbrocken, mit denen unsere jetzige Regierung rumwirft, klappt.

 

Was hat dir geholfen, an deinen Traum zu glauben und diesen zu realisieren?

Einige würde es meine Sturheit nennen. Ich nenne es mein Durchhaltevermögen. Ich wollte und will den Laden. Ich mag mein Geschäft, ich mag meine Kunden und deren Tiere. Ich habe mich sehr mit der Ernährung von Hunden und Katzen beschäftigt und habe hier auch schon vielen Tierliebhabern helfen können.

 

Hast du es jemals bereut und wolltest alles hinschmeißen?

Obwohl ich oft Sorgen habe bin ich noch nicht einen Tag mit Bauchschmerzen zur Arbeit gegangen. Ich habe noch nie gesagt – endlich Wochenende. Ich bin tatsächlich jeden Tag gern hier.

 

Was macht dir am meisten Freude innerhalb deiner Selbständigkeit ?
Menschen, die in mein Geschäft kommen, möchten meist, dass ihr Tier ernährungstechnisch unterstützt wird. Mein Ziel ist erreicht, wenn es den Tieren und somit auch ihren Besitzern besser geht. Mir macht es große Freude zu sehen, wie Tiere oder auch die Menschen aufblühen, wenn die ein oder andere Stellschraube in der Ernährung gedreht wird. Besonders reizt es mich zu zeigen, dass gute Ernährung nicht zwangsläufig teuer sein muss. Ich habe aber genauso Freude daran, zu sehen, wenn z.B. für eine Mäusefamilie ein perfektes ‘Mäusezimmer’ eingerichtet wird.
Was würdest du gerne abgeben ?
Keine Frage – Social Media. Das ist so gar nicht meins. Aber man braucht es offensichtlich.

Wie lange hat es gedauert bis du eine verlässliche Einkommensquellen aus deiner Idee entwickeln konntest?

Tatsächlich ging es sehr schnell. Ich habe viele neue Kunden dazugewonnen. Mein Konzept Qualitätsprodukte in Kombination mit individueller Beratung wurde gut angenommen, sodass ich bereits im 2. Geschäftsjahr ein positives Betriebsergebnis erreicht habe.

 

Was kannst du jemanden empfehlen, der sich selbständig machen möchte, z.B. welche Stärken sollte er oder sie mitbringen ?

Ich würde nie wieder ein Geschäft von jemandem übernehmen. Mach direkt alles selbst und so wie du es möchtest. Du kannst es nicht allen Recht machen. Der, der zu dir möchte, findet dich. Du solltest schon ein dickes Fell haben. Denn eins ist gewiss, wenn du etwas machst, reden auch Menschen schlecht über dich. Natürlich solltest du dich, dein Geschäft und dessen Abläufe gut organisieren können und vor allem Spaß am Kontakt mit Menschen haben. Nicht zu vergessen, du benötigst Disziplin. Auch eine gute Gesundheit ist von Vorteil, denn du bist Chef und Mitarbeiter zugleich. Wenn etwas Spaß macht ist selbst und ständig beschäftigt zu sein auch eine Art von Work-Life-Balance.

 

Wo finden Interessierte dein Geschäft?

Mein Geschäft ist in der Domstadt Königslutter am Elm – TIERwelt Königslutter – Schöppenstedter Straße 10 – 38154 Königslutter.

Ich habe aber auch einen ergänzenden Online-Shop mit vorwiegend Bioware für Hunde und Katzen unter www.happyfluffies.de. Gern können Kunden von Harz-Happiness mit dem Code _GS_Harz einen Rabatt iHv 10% auf ihre Bestellung ab einem Wert von 39,00 € erhalten.

 

Können Interessierte dein Geschäft auch online finden?

Ja, unter www.tierwelt-koenigslutter.de oder auch auf fb TIERwelt Königslutter, instagram 38154tierweltkoenigslutter und seit neuestem auf tiktok Safitierwelt.

Gibt es abschließend noch etwas was wichtig wäre zu sagen, was nicht gefragt wurde?

Ich freue mich, dass ich viele meiner Kunden heute als meine Freunde zählen kann. Ich bin dankbar, dass mich meine Kunden vor allem während der Corona-Zeit unterstützt haben. Ich bin glücklich darüber, dass ich heute für meine Arbeit Wertschätzung erhalte.

Fragst du dich auch manchmal warum du immer wieder unzufrieden bist und wann du das letzte Mal so richtig glücklich warst?

Dann ist dieser Blog-Beitrag bestimmt etwas für dich. In diesem geht es um die Frage was ein zufriedenes Leben beinhaltet und was Mut, Selbstvertrauen und Klarheit damit zu tun haben.

Vielleicht fragst du dich woher ich weiß was ein zufriedenes Leben beinhaltet? Falls du mich nicht persönlich kennst oder einen meiner Kurse besucht hast, möchte ich kurz erzählen warum ich diesen Blog-Beitrag schreibe. Ich selbst hatte vor 13 Jahren eine schwere Krise, die mich wach gerüttelt und den Startschuss für den Beginn einer Reise zu mir selbst gegeben hat. Diese Reise hat mich sehr vieles gelehrt. Ich habe danach mein Leben komplett umgekrempelt und ein Studium in Gesundheitspsychologie und Prävention erfolgreich abgeschlossen und einige Zusatzausbildungen absolviert (meiner “Über mich” Seite zu entnehmen). Dieses Wissen möchte ich nun an Interessierte weitergeben möchte. Mein Antrieb ist es,  Menschen dabei zu unterstützen ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen. Das war der Grund für die Gründung von Harz Happiness und auch der Grund dafür, dass ich diesen Beitrag schreibe.

Der Weg zu einem zufriedenen Leben

Was beinhaltet ein zufriedenes Leben? Ich würde behaupten Authentizität, ein Leben in Echtheit zu führen. Also im Einklang mit seinen Werten und Bedürfnissen, sowie seinen Stärken und Potenzialen zu leben und möglichst so, dass es einem egal ist, was andere über einen denken. Das Seltsame daran ist, dass die wenigsten von uns wissen, was sie eigentlich ausmacht und was sie brauchen, um zufrieden zu sein. Unzufriedenheit ist dabei ein Wegweiser zu unerfüllten Bedürfnissen. Auch ist es den meisten nicht egal, was andere über einen denken, schließlich sind wir Herdentiere und wollen geliebt und akzeptiert werden. Ausgrenzung und Ablehnung verursacht Schmerzen und das ist nicht einfach so daher gesagt, sondern wissenschaftlich belegt. Bei Ausgrenzung und Ablehnung, z.B. durch Mobbing, werden in unserem Gehirn die gleichen Areale angeknipst, wie auch bei körperlicher Gewalt und der Mensch ist darauf ausgelegt Schmerzen möglichst zu vermeiden.

Der Preis eines unerfüllten Lebens 

Was sich aber auch nicht vermeiden lässt, sind die Schmerzen, die sich aus einem unerfüllten Leben ergeben. Bronni Ware schreibt in ihrem Buch ” 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen- Einsichten, die ihr Leben verändern” , dass Menschen auf dem Sterbebett häufig folgendes bereut haben:  “Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mir selbst treu zu bleiben, statt so zu leben, wie andere es von mir erwarten.”. Oha, das sitzt oder?

Das wirft die Frage auf was es eigentlich bedeutet sich selbst treu zu bleiben? Ich glaube, es bedeutet ein Leben nach seinen eigenen Vorstellungen zu führen, ohne es ständig anderen Recht machen zu wollen, um geliebt zu werden. Tun wir dies nämlich ständig, verlieren wir uns selbst und zurück bleibt ein Gefühl der Leere, Energielosigkeit und Unzufriedenheit. Die Schwierigkeit bei der Treue zu sich selbst ist eben häufig die Angst vor Ablehnung und Ausgrenzung und damit einhergehend unbewusste Wertekonflikte, die uns viel Kraft kosten können.

Mut, Selbstvertrauen und Klarheit

Was haben die drei Begriffe Mut, Selbstvertrauen und Klarheit nun mit einem zufriedenen Leben zu tun? Schonmal vorweg, Mut gibt es (leider) nicht ohne Angst, sonst müssten wir ja nicht mutig sein. Um ein glückliches Leben führen zu können, brauchen wir immer mal wieder Mut, vor allem, um uns als erstes Klarheit über uns und unser Leben zu verschaffen. Den eigenen Vorhang der Verdrängung beiseite zu schieben, hinter dem wir uns vielleicht bislang versteckt haben. Selbstreflektion ist dabei ein wichtiger Baustein und hilft uns unseren roten Faden im Leben zu finden. Selbstvertrauen, ist die Fähigkeit sich selbst zu vertrauen. Die Voraussetzung dafür ist, dass man sich selbst und seine Persönlichkeit und seine Bedürfnisse, Werte und Potenziale kennt.

Der Schlüssel für ein zufriedenes Leben ist die Selbstreflektion, die Selbsterkenntnis, den Mut hinzusehen und sich Klarheit über sich und sein Leben zu verschaffen und sich auf dem Weg der Veränderung selbst zu vertrauen.

Möchtest du dich auf diesem Weg begleiten lassen und noch mehr Klarheit über dich und dein Leben gewinnen? Als Gesundheitspsychologin und Gesundheitscoachin unterstütze ich dich dabei herauszufinden welche Stärken, Potenziale, Werte und Bedürfnisse du hast und wie du die gewonnenen Erkenntnisse in dein Leben integrieren kannst, so dass du ein zufriedenes Leben im Einklang mit deiner Persönlichkeit führen kannst.

Hierzu kannst du mich über info@harz-happiness.de oder unter 0176- 60506783 kontaktieren.

 

Möchtest du mehr Mut, Selbstvertrauen und Klarheit gewinnen, dann nimm gerne an der kostenlosen 7 tätigen Instagram-Challenge MutLust teil, die am 08.09.2023 startet.

Hier kannst du dir das kostenlose Begleit-Workbook sichern.

 

Abschied nehmen ist oft nicht leicht, ob nun von einem geliebten Menschen, einem Haustier, einer Arbeitsstelle, einem Wohnort oder einem Lebensabschnitt, einem Traum und was es da noch so alles gibt. Wie du siehst geht es beim Abschied nehmen nicht nur um das Sterben und den Tod, sondern auch um sich verändernde Lebensumstände. Wie gerne wir an bestimmten Menschen, Dingen, Situationen, usw. festhalten wollen, alles hat seine Zeit. So schmerzhaft es manchmal auch ist, die Phase des Abschiednehmens zu überspringen ist nicht empfehlenswert, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Es blockiert einen und holt einen früher oder später sowieso ein.

 

Abschied nehmen ein Prozess

Abschied nehmen ist ein Prozess. Es gibt keinen Schalter, keinen Knopf, den wir betätigen können, zu mindestens habe ich diesen noch nicht entdeckt. Die Gefühlszustände beim Abschied können sich abwechseln. Trauer und Freude, Bedauern, Sehnsucht, Liebe, vielleicht sogar Schuld und Scham schließen sich dabei nicht gegenseitig aus. Wir sind in einem Moment traurig, weil wir den Menschen, das Tier, die Situation, die Lebensphase etc. vermissen und wissen, dass er/sie/es nicht wiederkommt, im nächsten Moment erinnern wir uns mit Freude daran zurück. Vielleicht bedauern wir in diesem Zusammenhang auch etwas, z.B. nicht genug Zeit damit verbracht zu haben oder etwas nicht mehr gesagt, getan zu haben, nicht mutig genug gewesen zu sein, etc.

 

“Richtig” Abschied nehmen

Erstmal ist es wichtig, anzunehmen was da ist mit dem ganzen Gefühlsspektrum. Dabei kann uns der Wald helfen und uns den nötigen Raum geben. Er kann Geborgenheit und Sicherheit schenken. Mit Hilfe seiner beruhigenden Wirkung durch seine Farben, Formen und Gerüche kann er uns die nötige Ruhe und den nötigen Abstand zum Alltag verschaffen, um uns zu sortieren und uns zu erden. Der Wald zeigt uns immer wieder aufs Neue das Veränderung ein natürlicher Prozess ist und alles vergänglich ist. Aus Altem erwächst Neues, aus Neuem wird Altes, der Kreislauf des Lebens.

 

Kraftspender Wald 

Eine Möglichkeit auf dem Weg des Abschiednehmens kann es sein dir einen Kraftplatz im Wald zu suchen, z.B. einen Baum, an dem du dich anlehnen kannst und der dir Halt gibt, wenn du deinen Gefühlen freien Lauf lässt. Wichtig ist, dass du dich an diesem Ort wohlfühlst.
Schau dich von dort aus um, wo kannst du Vergänglichkeit entdecken? Wo kannst du sehen, dass Neues aus Altem erwächst? Dies alleine kann schon sehr viel Trost spenden. Spüre nach was du fühlst und lass alle Gefühle einfach fließen, halte nichts fest, erzwinge nichts. Gefühle fließen zu lassen und einfach zu sein mit allem was da ist kann eine sehr befreiende und reinigende Wirkung haben. Dies kannst du noch zusätzlich unterstützen, indem du dir was zum Schreiben mit nimmst und dir deine Gefühle von der Seele schreibst, auch das kann sehr erleichternd sein.

Annehmen was ist, ist alles andere als leicht, aber wenn man es schafft sehr erleichternd und ein großer Schritt im Prozess des Abschiednehmens. Ich wünsche dir viel Kraft und Zuversicht auf diesem Weg.

Ich habe Frau Prof. Dr. Müller als Dozentin im Studium im Modul Ernährungspsychologie kennen und schätzen gelernt. Man merkt sofort, dass sie einen Beruf ausübt, den sie liebt. Sie hat eine Professur für Ernährungswissenschaft und Lebensmitteltechnologie an der SRH Fernhochschule – The Mobile University. In einem Workshop zum Thema Ernährungsberatung durfte ich sie mehrere Tage online als Dozentin erleben. Obwohl es eine Online-Veranstaltung war, war die Energie, die von ihr ausging, zu spüren. Ihre erfrischende Art und ihre Begeisterung für diese Thematik haben den Workshop zu etwas ganz Besonderem gemacht. Diese bestimmte Mischung aus Leichtigkeit, mit der sie dieses wichtige Thema vermittelt hat, gepaart mit der nötigen Ernsthaftigkeit, zudem die Wertschätzung jedes Einzelnen gegenüber, ihre Strukturiertheit und Lösungsorientierung mit dem I-Tüpfelchen des Humors haben zu erkennen gegeben, dass sie einen für sich passenden Beruf gefunden hat.

Ich wollte von Frau Prof. Dr. Müller einiges zum Thema Berufung wissen, unter anderem wie sie es geschafft hat, ihre Berufung zu finden, wann ihr klar wurde, was sie eigentlich machen möchte und wie ihr Weg bis zur jetzigen Arbeitsstelle verlaufen ist.

Wenn dich das Thema Berufung interessiert und du vielleicht selber nach deiner eigenen Berufung Ausschau hältst, ist dieses Interview ganz gewiss etwas für dich.

Viel Spaß beim Lesen.

 

Hallo Frau Müller,

ich freue mich sehr, dass Sie sich bereit erklärt haben, mir ein Interview zum Thema „Berufung“ zu geben. Ich habe ja bereits im Einleitungstext beschrieben, wie ich Sie in ihrer Tätigkeit erlebt habe.

 

Jetzt die Frage an Sie, ist dem auch so oder war das eine Momentaufnahme? Empfinden Sie Ihren Beruf als Berufung?

Das ist eine gute Frage. „Berufung“ ist ein großes Wort. Was ich sagen kann, ist, dass ich das, was ich mache, unheimlich gerne mache.

 

Was genau beinhaltet Ihre Tätigkeit und wie sind Sie auf diesen Berufsweg aufmerksam geworden?

Der Alltag einer Professorin an der SRH Fernhochschule – The Mobile University ist sehr vielfältig, was wirklich toll ist.

Ich leite zwei Studiengänge – „Lebensmittelmanagement und -technologie (B. Sc.)“ und „Ernährungswissenschaft und Prävention (B. Sc.)“ und bin entsprechend für die inhaltliche Qualität und die Weiterentwicklung der Studiengänge verantwortlich, berate Studierende und auch Interessenten.

Zudem betreue ich verschiedene Module inhaltlich, d. h. ich erstelle die Studienmaterialien (z. B. Studienbriefe, Videocasts), stehe den Studierenden bei Fragen zur Seite, führe begleitende Veranstaltungen durch und nehme Prüfungen ab.

Natürlich betreue ich auch Praxisphasen und Abschlussarbeiten.

Zudem engagiere ich mich auch anderweitig in der Hochschule – beispielsweise bin ich Mitglied in verschiedenen Projektgruppen, Mitglied des Senats und leite die Akkreditierungskommission.

Auf die SRH Fernhochschule bin ich damals durch eine Schulfreundin aufmerksam geworden, die selbst an der Hochschule Lebensmittelmanagement und -technologie studiert hat. Sie hat mir erzählt, dass eine Professur zu besetzen ist, und das hat mein Interesse geweckt. Denn tatsächlich hat mich die Lehre schon immer gereizt.

 

Welche Stationen haben Sie bis hierher durchlaufen (Ausbildungsweg/Studium, Berufsstellen)?

Nach dem Abitur habe ich an der Technischen Universität München Ökotrophologie studiert und dort anschließend am Lehrstuhl für Lebensmittelchemie und molekulare Sensorik promoviert. Danach war ich in der Milchwirtschaft tätig, bei einem Tochterunternehmen des Milchprüfring Bayern e. V., der QSE GmbH. Die QSE GmbH stellt u. a. Referenzmaterialien zum Einstellen von Milchanalysegeräten her und ist Anbieter von Laborvergleichsuntersuchungen. Ich war dort Leiterin der Forschung und Entwicklung sowie Qualitätssicherung. 2015 bin ich dann an die SRH Fernhochschule gewechselt.

 

Wann war Ihnen klar, dass das ein beruflicher Weg ist, der zu Ihnen passt?

Nach dem Abitur war ich mir etwas unschlüssig, was ich machen wollte – tatsächlich schwankte ich damals zwischen Lehramt und Ökotrophologie. Letztendlich habe ich mich dann für das Ökotrophologie-Studium entschieden, weil mich das Fachgebiet einfach wahnsinnig interessiert hat.

Der weitere Berufsweg hat sich dann einfach so ergeben. Bereits in meiner Diplomarbeit, in der es um die Effekte pflanzlicher Zusätze bei der Produktion von Fleischwaren ging, spielte die Analytik eine Rolle. In der Dissertation mit dem Thema „Untersuchungen zum Einsatz von Schnellmethoden zur Qualitätssicherung in der Gemeinschaftsverpflegung“ beschäftigte ich mich intensiv mit der Untersuchung zubereiteter Speisen mittels Infrarot-Spektrometrie. Da diese Methode auch in der Milchwirtschaft eingesetzt wird, war der Schritt in diese Branche dann nicht mehr weit.

Der Schritt an die Hochschule war bewusst. Zwar hat mir meine Tätigkeit in der Milchwirtschaft ebenfalls Spaß gemacht und ich bin – v. a. auch wegen der tollen Kolleg*innen – mit einem lachenden und einem weinenden Auge gegangen – fachlich war ich dort aber auch hochspezialisiert. An der Hochschule habe ich nun die Möglichkeit, mich wieder mit unterschiedlicheren Themen zu beschäftigen.

 

War der Weg einfach oder gab es auch ein paar Steine, die aus dem Weg geräumt werden wollten?

Wirkliche Hürden gab es eigentlich nicht. An eine Situation, die meinen Lebensweg hätte grundlegend verändern können, kann ich mich allerdings erinnern.

Am Anfang des Studiums hatte ich unheimlich Angst vor dem Fach Chemie und war sogar kurz davor das Studium deshalb aufzugeben. Inzwischen kann ich darüber schmunzeln, denn als ich beschlossen hatte, die Herausforderung anzunehmen und der Groschen gefallen war, habe ich nicht nur die Prüfung problemlos bestanden, sondern es hat sogar richtig Spaß gemacht. Am Ende bin ich dann ja sogar in der Analytik gelandet und habe jahrelang im Laborbereich gearbeitet.

 

Was würden Sie Menschen raten, die nach ihrer Berufung Ausschau halten?

Wichtig ist. denke ich, dass man sich selbst kritisch betrachtet. Wo liegen meine Stärken bzw. worin bin ich gut? Was mache ich gerne? Wo sehe ich mich? Im nächsten Schritt ist es essenziell, sich näher mit den möglichen Berufsbildern und Arbeitsfeldern auseinandersetzen, um zu sehen, ob die eigenen Vorstellungen mit der beruflichen Realität übereinstimmen.

Grundsätzlich halte ich es für wichtig, dass man Ziele vor Augen hat, an denen man dranbleibt. Manchmal muss man sich eben durchbeißen – das gehört dazu. Auf der anderen Seite ist es aber auch wichtig, dass man sich auch einmal treiben lassen kann und die Dinge so nimmt, wie sie kommen. Sprich, man darf auch nicht zu verbissen an den eigenen Zielen festhalten und muss flexibel und offen bleiben.

 

Das Leben ist ein Weg, der in Etappen gegangen wird. Welche nächste berufliche Etappe steht bei Ihnen an oder genießen Sie einfach den momentanen Zustand?

Ich bin tatsächlich momentan sehr zufrieden und habe das Gefühl, ich bin angekommen. An der SRH Fernhochschule haben wir ein super Team, in dem ich mich pudelwohl fühle. Aber wie Sie schon sagten, das Leben ist ein Weg. Man weiß nie was noch kommt.

 

Wo können sich Interessierte melden, die einen Ernährungsworkshop bei Ihnen mitmachen möchten?

Am Online-Workshop zum Thema Ernährungsberatung können alle Studierenden der SRH Fernhochschule – The Mobile University teilnehmen.

 

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, um meine Fragen zu beantworten.

 

 

Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an, das ist nicht nur ein Songtext von Udo Jürgens, sonders die Lebensphilosophie von Albert Weil, den ich innerhalb meiner Trekking-Ausbildung kennenlernen durfte und direkt ins Herz geschlossen habe. Warum ich ihn dir vorstellen möchte?

Er ist einfach eine Inspiration, nicht nur für die, die Angst vorm Alter haben oder sich vom Alter abhalten lassen bestimmte Dinge zu tun. Sondern für alle, die mehr vom Leben wollen, als auf die Rente warten und sich dann bis zum Ende ihrer Tage in der Komfortzone einrichten. Er zeigt uns, dass Alter keine Grenzen kennt und man nie zu alt für neue Abenteuer ist.

Voller Energie und Lebenslust ist mir Albert in Erinnerung geblieben. Was mich an Albert besonders fasziniert hat, war seine Neugier, seine Lust aufs Leben und darauf neue Dinge auszuprobieren. Dass er das Alter nicht als Begrenzung sieht und er mit dem Spruch „dafür bin ich zu alt“ nichts anfangen kann. Albert ist in eine Männer-WG gezogen und hat mit Freunden das Café Allerlei eröffnet, indem es ein abwechslungsreiches Programm und allerlei Begegnungen gibt. Ich durfte ihn interviewen und ihm Fragen über sein Leben stellen.

Wenn du dich gerne von Menschen inspirieren lässt und du wissen möchtest, wie du die Altersschranke im Kopf überwinden kannst, dann ist dieses Interview ganz gewiss etwas für dich.

Lieber Albert,

 

Woher nimmst du deine unerschütterliche Energie?

Ich glaube, das ist ein Gottesgeschenk und mir in die Wiege gelegt worden. Ich habe schon in jungen Jahren eine mehrmonatige Reise unternommen. Diese Reise hat mich total bestärkt, voller Zuversicht und Unternehmungslust für mein weiteres Leben zu sein. Auch hatte ich das große Glück, dass ich von nennenswerten gesundheitlichen Einschränkungen verschont blieb.

 

Was treibt dich an?

Die Lust am Gelingen. Gestalter sein und die Freude daran, etwas zu bewegen und an den Start zu bringen. Das setzt bei mir diese Energie frei. In seinem Leben Spuren zu hinterlassen, finde ich einfach gut.

 

Was treibst du gerade so?

Ich bin gerade von einer mehrtägigen, wunderschönen Fahrradtour mit Freunden zurückgekommen und nun geht es weiter mit dem Häusle bauen. Neue Küche, neue Heizung etc., Aktivitäten für das Café Allerlei vorbereiten.

 

Was inspiriert dich?

Von anderen Menschen zu lernen und schauen, was davon für mich passen könnte. Lebensgeschichten und Biographien von Menschen sind meine Krimis. Überhaupt Lesen ist für mich ein Quell der Inspiration.

 

Wie begegnest du Hindernissen im Leben?

Ich überlege, was kann ich selber schaffen oder wo brauche ich Hilfe. Ich versuche mir den Druck raus zunehmen. Es darf gelingen, muss aber nicht.

 

Gibt es etwas, was das Alter mit sich bringt?

Ganz Vieles. Wesentlich entspannter an Dinge heranzugehen. Demut und Dankbarkeit zu entwickeln für die vielen schönen Dinge, denen man in seinem Leben begegnet ist. Auch das ein oder andere  Wehwehchen meldet sich an. Früher ist es wieder gegangen, jetzt bleibt es. Manche Türen schließen sich, dafür öffnen sich aber wieder neue.

 

Wie gehst du damit um?

Ich versuche die Dinge anzunehmen und Unabänderliches zu akzeptieren. In der Regel gelingt es mir, allem etwas Gutes abzugewinnen. Es gibt erfreulicherweise immer Spielräume und Optionen, die gilt es zu finden. Man muss halt mit Allem rechnen, auch mit dem Guten.

 

Wie bist du dazu gekommen, was hat dich dazu veranlasst in eine Männer -WG zu ziehen?

Die Idee von gemeinschaftlichem Wohnen treibt mich bestimmt schon die letzten 15 Jahre umher. Ich sehe viele Vorteile, aber natürlich auch die nicht immer einfachen Herausforderungen im Zusammenleben. Wenn es gelingt ist es sehr bereichernd. Vor gut 2 Jahren konnte ich ein Haus in der Nachbarschaft erwerben und mit 2 Freunden direkt in eine Männer WG einsteigen. Das war von vorneherein aber ein Start auf Zeit. Jetzt sind beide auf Grund von persönlichen Umständen weitergezogen. Nun gilt es nach Umbau- Arbeiten die Idee nachhaltig zu etablieren.

 

Wie lebt es sich dort?

Die ersten beiden Jahre waren schon sehr inspirierend. Gemeinsam haben wir die Corona-Zeit prima bewältigt und hatten eine gute Zeit. Auch ist eine Vertrautheit entstanden, die trägt. Sich gegenseitig zu helfen, gemeinsame Spaziergänge und Gespräche sind an der Tagesordnung. Es hat aber auch Knackpunkte aufgezeigt, die für die zukünftige Entwicklung wichtig zu berücksichtigen sind. Gelingende Kommunikation ist das Stichwort.

 

Wie ist die Idee mit dem Cafe´Allerlei entstanden?

Das war ein spontaner Gedankenimpuls. In der kleinen Kirche bei uns gegenüber ist ein Pfarrsaal mit Küche, Außengelände etc.,  der sich vorzüglich für einen Begegnungsort/ -stätte eignet. Nach dem Ausstieg aus meinem Berufsleben war es mir wichtig, was zu finden, was mir Spaß und Freude bereitet. Und das in meiner unmittelbaren Nachbarschaft hat natürlich trefflich gepasst. Meine Partnerin war auch sofort Feuer und Flamme und wir konnten gemeinsam die entscheidenden Menschen davon überzeugen und Mitstreiter finden. Das Café Allerlei  gibt es nun schon schon 2 Jahre und wir können mehr als zufrieden Rückschau halten.

 

Was erwartet den Besucher dort?

Eine Vielfalt an Veranstaltungen, eben Allerlei . Wir sind nicht festgelegt in eine Richtung. Kultur, Vorträge, Infoveranstaltungen, Koch- und Spieleabende, Suppenfest, Weihnachtskonzerte sind nur einige Beispiele. Da macht es Sinn auf unsere Website zu schauen.

https://cafe-allerlei.sankt-anna-biebertal.de

 

Was macht das Café so besonders?

Aus dem Nichts etwas entstehen zu lassen und das bei null Kosten. Die Kirche hat die Räumlichkeiten, wir die Ideen. Eine win win Situation für alle Beteiligten. Man muss halt aufeinander zugehen und mit viel Überzeugung, aber auch mit Durchhaltevermögen an die Sache ran gehen. Die Leute spüren, dass wir mit viel Herzblut dabei sind und viele Referenten, Musikanten kommen gerne auch zum wiederholten Male zu uns, weil sie das spüren und ihren Beitrag zu dieser schönen Idee liefern möchten. Für uns ist das sehr bereichernd, aber auch für die Besucher. Solche Angebote und dies wohnortnah, gibt es nicht so oft.

 

Welche neuen Abenteuer liegen vor dir?

Jetzt steht erst mal an, die WG wieder ans Laufen zu bringen und weiter mit Leben zu füllen. Das ist Priorität Nummer eins. Hier habe ich schon Kontakt zu Arbeitskreisen `Gemeinschaftliches Wohnen` aufgenommen, um interessierte Menschen kennenzulernen.

Bei mir ploppen ständig neue Ideen auf. Zum Beispiel, unser beschauliches Dorf aus dem Dornröschenschlaf zu wecken und für die Zukunft neu aufzustellen. Bestehende Potentiale vor Ort zu entdecken und mit neuen kreativen, zukunftsorientierten Ideen zu füllen, mit jungen und junggebliebenen Menschen. Das ganze Leben ist ein ständiges Abenteuer und steckt voller Herausforderungen und Entdeckungsmöglichkeiten. Ob ich die Idee weiter verfolge ist noch völlig offen, aber es macht doch Spaß einfach mal zu träumen und es dient zumindest als Aufhänger für interessante Gespräche mit neuen Sichtweisen.

Letztes Jahr habe ich eine Gartenhütte gebaut, die könnte zum Beispiel als Unterkunft für Radwanderer dienen – wir liegen direkt am Lahnradweg. Eine Dusche wird im Keller gerade installiert. Nette Gäste, gute Gespräche und Begegnung am Lagerfeuer. Auch eine schöne Vision.

 

Was würdest du Menschen raten, die mit dem Alter Schwierigkeiten haben?

Man kommt nicht darum sich zu bewegen und das in vielerlei Hinsicht. Denkt immer daran, ihr selber seid der Schöpfer eures Lebens. Lasst euch inspirieren, versucht alte Muster abzulegen und macht euch auf den Weg. Gepaart mit Neugierde und einer Portion Mut. Sucht gezielt Menschen, die euch diesbezüglich – auf welche Weise auch immer – eine Stütze sind. Alleine schafft man das in der Regel nicht. Albert Schweitzer hat ein wunderschönes Gedicht geschrieben. Die Sehnsucht nach dem Wunderbaren. Das drückt es in Worten aus, das Jungsein eine Geisteshaltung ist und mit dem Alter nichts zu tun hat.

 

Was sollten wir noch über dich wissen?

Och, eigentlich konnte ich jetzt schon ziemlich viel von mir und was mir wichtig ist darstellen.

Auch ich habe meine Baustellen mit mir selber und meiner Familie. Und mir ist mit Sicherheit auch nicht alles gelungen. Ich erfreue mich aber an einer liebevollen Beziehung zu meiner Partnerin, was mir erlaubt glückliche und vielleicht auch weniger glückliche Momente zu teilen. Gemeinsam in die Zukunft zu schauen, bereitet viel Freude.

 

Welchen weisen Lebensrat hast du für uns?

Das Leben ist schön, man muss es nur verstehen! Greif zu, das Leben ist da! Mach was draus!

Oder: Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu Anderen Glück, denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigene Herz zurück.

 

Vielen Dank Albert für deine Offenheit und dafür, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst.

Möchtest du mehr über das Café Allerlei erfahren, dann kommt hier nochmal der Link zum Café :

https://cafe-allerlei.sankt-anna-biebertal.de/

 

 

Elftausend – zu Fuß durch den Westen der USA

Der knapp 11.000km lange Great Western Loop gilt als eine der größten Herausforderungen des Fernwanderns und setzt sich aus einigen der bekanntesten amerikanischen Fernwanderwege zusammen.

Der Great Western Loop ist ein Wettlauf gegen den Winter. Die Zeit für die Überquerung der 4.000m hohen Rocky Mountains und der Sierra Nevada ist begrenzt, denn der nahende Winter droht wichtige Bergpässe zu verschließen. Zwischen diesen Gebirgen, liegen die trockenen Wüsten Arizonas und Kaliforniens, die Bärengebiete Montanas und zahlreiche Nationalparks.

Nie zuvor hat ein Mensch, dieses Abenteuer gegen den Uhrzeigersinn gewagt.

In seinen 222 Tagen in der amerikanischen Wildnis verlor Niels Rabe u.a. 15 Kg durch eine Giardia-Infektion. Er hing mit seinem Leben an einer Eisaxt und durchquerte mehr als 100km Wüste ohne eine einzige Wasserquelle.

In seinem Buch “Elftausend” beschreibt Niels Rabe spektakuläre Reise voller unvergesslicher Momente und unbedingtem Willen. Eine Reise geprägt von faszinierenden Begegnungen und knallharten Herausforderungen, wie Hunger, Durst und Orientierungsverlust, die ihn regelmäßig an seine körperlichen und mentalen Grenzen führten.

Ich habe Niels bei meiner Ausbildung zum Trekkingguide- Wander- und Naturreiseleiter/in kennengelernt.
Er ist mir als hilfsbereiter, erfahrener Mensch in Erinnerung geblieben. Immer etwas unruhig, immer so ein wenig das Gefühl, als sei er auf dem Sprung, so als würde sich die Welt nicht schnell genug für ihn drehen. Heute darf ich dir mein Interview mit ihm vorstellen.

Erkennst du dich aus meiner Beschreibung wieder oder ist meine Wahrnehmung eine völlig andere?
Wer steckt hinter dem Abenteurer Nils? Wie würdest du dich selbst beschreiben ?
Das passt. Mehr zu mir ergibt sich aus den u.s. Antworten…

Wie lange hast du deine Wanderung im Voraus geplant, und wie hast du dich darauf vorbereitet?

Meine Planung habe ich im Sommer 2019 begonnen. Zunächst mit vielen Recherchen, Ausrüstungstests und Excel-Tabellen, welche Entfernungen und Routenplanungen enthielten. Das Problem am Great Western Loop ist nicht die Distanz von knapp 11.000 Kilometern, sondern die Tatsache, dass ich im Osten durch die 4.000 m hohen Rocky Mountains und im Westen durch die ebenfalls 4.000 m hohen Berge der Sierra Nevada musste. Diese Gebirge sind wegen der Schneeverhältnisse nur zwischen Mai und Oktober passierbar. Gleichzeitig kann ich in den Wintermonaten aber auch nicht in den Bergen nahe der kanadischen Grenze, oder im Sommer durch die Wüste New Mexico´s laufen. Das hat die Planung und das verfügbare Zeitfenster für den Start sehr kompliziert gemacht.
Mein Start musste im März, oder April erfolgen. Von Flagstaff aus musste ich dann zeitig die Rockies erreichen, mich mit Schneeschuhen durch den abtauenden Schnee kämpfen, um dann noch genug Zeit zu haben, um die rund 6.500 Kilometer bis zur Sierra Nevada zu schaffen, bevor die ersten Winterstürme einbrechen würden. Das bedeutete ich musste 4-5 Monate lang jeden Tag 50 Kilometer im Durchschnitt laufen. Der Great Western Loop war also ein erbarmungsloser Wettlauf gegen den Winter.
Ende 2019 begann dann mein Training. Hierfür bin ich nach Neuseeland geflogen und den 3.000 Kilometer langen Fernwanderweg “Te Araroa” gelaufen. Mein Ziel war es nach ca. zwei Monaten 60 Kilometer pro Tag laufen zu können. Als ich den Trail nach drei Monaten beendet hatte, ging es direkt in die USA. Mitte März 2020 startete ich dann meinen ersten Versuch, den ich aber wegen Corona im April abbrechen musste. Ziemlich geknickt ging es heim. Ohne Job, ohne Wohnung und mit einem gescheiterten Traum, war für mich aber doch klar, dass ich einen neuen Versuch im darauffolgenden Jahr wagen würde. Die Zeit bis dahin wollte ich optimal nutzen, um, um mich noch besser vorzubereiten. So entschied ich mich dann auch zur Trekking Guide Ausbildung.

Worin lag der Reiz für dich so einen gefährlichen außergewöhnlichen Wander-Trip zu machen?

Welche Bedürfnisse wolltest du damit stillen ?
Und ist es dir gelungen diese auch zu stillen ( kurzfristig, langfristig )?
Ich habe den Trail nie als außerordentlich gefährlich empfunden. Das klingt immer so reißerisch. Natürlich gab es gefährliche Situationen und Risiken, mit denen ich mich im Vorfeld auch auseinandergesetzt habe. Letztlich waren dies aber alles weitgehend kalkulierbare Risiken. Ich persönlich habe mehr Angst davor mit 90 Jahren auf meinem Sterbebett zu liegen und an all die Abenteuer und Erlebnisse zu denken, die ich nie gewagt habe.
Im normalen Leben arbeite ich als Projektmanager und verbringe viel Zeit hinter dem Computer. Die Zeit in der freien Natur ist hierzu der perfekte Ausgleich.
Nachdem ich 2018 den Pacific Crest Trail gelaufen bin, wollte ich 2020 zunächst “nur” den ca. 4.500 Kilometer langen Continental Divide Trail laufen. Durch Zufall stieß ich dann auf den Great Western Loop und sah, dass offenbar noch Niemand vor mir diese Route gegen den Uhrzeigersinn geschafft hatte.

Das hat mich neugierig gemacht. Ich wollte wissen, warum dies noch Niemand gewagt hatte. Ich wollte wissen, ob es machbar ist und inwieweit es mich als Person verändern würde. Ich hatte einfach Lust auf ein Stück Lebenserfahrung, auf etwas Einzigartiges, dass mir Niemand jemals würde nehmen können. Etwas dass völlig absurd schien und mich vor völlig neue Herausforderungen stellen würde. Ich wollte wissen, ob ich das Zeug habe, diese Herausforderung zu bewältigen. Dieser Gedanke hat mich nicht mehr losgelassen.

Ob meine Neugier und Abenteuerlust nach dem Trail gestillt ist, ist schwer zu sagen.

Der Great Western Loop war die härteste Erfahrung meines Lebens. Gleichzeitig, aber auch die Schönste. Ich will keine Sekunde dieses Abenteuers missen. Auch nicht die schlechten und schwierigen Momente. Mark Manson schreibt in seinem Buch “The subtle art of not giving a fuck”, dass Glück oftmals aus der Überwindung von Problemen und Herausforderungen besteht. Das sehe ich auch so. Der Trail hat mich vor immer neue und schwierige Herausforderungen gestellt, doch was auch immer kam. Dort draußen war ich glücklich. Ich war der Herr meines eigenen Schicksals. Ich hatte die volle Kontrolle und die volle Verantwortung für all meine Taten. Nie zuvor habe ich derart intensiv und bewusst gelebt.
Was waren deine außergewöhnlichsten Momente ?
In meinen 222 Tagen habe ich u. a. 15 kg durch eine Infektion verloren, ich bin zweimal von vereisten Hängen abgerutscht, habe mich als erster Mensch in der Saison durch die verschneiten Rocky Mountains gekämpft. Ich wurde von einem Fluss mitgerissen, vor Waldbränden evakuiert und habe in Arizona 112 Kilometer Wüste ohne eine einzige Wasserquelle durchquert. Ich bin in einem Supermart wegen Wassermangel kollabiert und habe fürchterliche Angst, erbarmungslosen Hunger und bitteren Durst erfahren. Bären, Klapperschlagen und Pumas gesehen und unfassbar intensive Momente des Glücks, aber auch der Verzweiflung erlebt. Trotz all dieser Herausforderungen habe ich immer an mich und an meinen Traum geglaubt. Unbeirrt, entschlossen und manchmal vielleicht auch stur, wie ein Esel habe ich am Ende mein Ziel erreicht. Ich habe etwas geschafft, dass mir heute niemand mehr nehmen kann. Etwas Einzigartiges, für das ich viel riskiert habe. Dieses Risiko hat sich gelohnt. Es war eine Erfahrung die meine Zukunft verändern und bereichern wird.

Was war dein schlimmstes, was dein schönstes Erlebnis?

Es gab zwei schlimme Erlebnisse, die mich sehr geprägt haben.
Das erste Erlebnis hätte mich fast mein Leben gekostet. Das Zweite fast meinen Traum.
Das erste Erlebnis ereignete sich auf rund 3.500m Höhe in den verschneiten Rocky Mountains.
Der Schnee hatte den sonst ebenen Trail überdeckt und in einen steilen Hang verwandelt, auf dem ich selbst mit Steigeisen nur schlecht Halt fand. Ich musste immer wieder meine Eisaxt nutzen und mich an Bäumen festhalten, um Engpässe sicher zu überqueren. An einer Spitzkehre musste ich stoppen. Der Trail vor mir war unpassierbar. Mir blieb erneut nur ein Aufstieg über den Grat, um dann etwas weiter oben eine geeignete Stelle für die Traverse zu finden. Mit der Eisaxt in der dem Berg zugewandten Hand und dem etwas längeren Trekkingstock in der anderen Hand begann ich die Traverse. Und stürzte ab.
Meine Eisaxt bremste den Sturz, aber die Wucht meines Sturzes hatte sie aus dem Eis gerissen. Unkontrolliert schoss ich den Abhang hinab und sah die Wipfel der Bäume unter mir immer schneller auf mich zukommen. Rund 40 m unterhalb meiner Position lag eine kleine Klippe und mir war sofort klar, was das bedeutete. Verzweifelt versuchte ich, die Kontrolle über meine Eisaxt zu erlangen, die glücklicherweise noch an meinem Handgelenk baumelte. Meine Reaktion war schnell. Während ich Meter um Meter weiter rutschte, bekam ich die Eisaxt zu fassen, warf meinen Körper herum und rammte die Axt in den Schnee. Ich wurde langsamer, aber ich rutschte noch immer weiter in Richtung des Felsvorsprungs. Endlich bekam ich auch mit der zweiten Hand die Eisaxt zu fassen. Ich legte meine rechte Hand über die Schaufel, die mir auf dem harten Eis immer wieder ins Gesicht entgegenschlug, und presste sie hart in den Schnee. Dann zog ich die Eisaxt diagonal unter meinen Oberkörper, brachte meinen Schwerpunkt über die Haue und winkelte meine Beine an, um all mein Gewicht auf einen einzigen kleinen Punkt zu konzentrieren. Dann war alles getan, was ich tun konnte, um mein Leben zu retten. Der Rest war hoffen. Und während die Klippe immer näher kam, ging mein Blick hinunter ins Tal. Noch 35 m bis zur Klippe! Dann 30 m und ich rutschte weiter! Nach rund 15 Metern wurde ich langsamer und stoppte. Ich hatte meinen Sturz abgefangen und konnte mich auf den Hang pressend durchatmen. Die Gefahr war vorüber. Ob ich einen Absturz hier überlebt hätte, weiß ich nicht. Vielleicht ja, aber wäre ich über den Felsvorsprung gerutscht, wäre ich vermutlich von einem der Bäume in der 150 m tiefer gelegenen Schlucht aufgespießt oder erschlagen worden.
Das zweite Erlebnis ereignete sich einige Monate später kurz vor der Grenze zwischen Oregon und Kalifornien.
Ich war wenige Meilen vom Windigo Pass entfernt und rastete für einige Minuten auf einem Bergkamm. Ich bemerkte, dass ich dort oben Empfang hatte, und checkte kurz meine Nachrichten. Und plötzlich war alles anders. Der U.S. Forest Service hatte am Morgen angekündigt, dass neben den initial zehn geschlossenen Wäldern nun alle (!) Nationalwälder in Kalifornien für knapp drei Wochen geschlossen würden. Mehr als 2.000 Kilometer des PCT waren damit unzugänglich. Würde ich warten, würde ich  es niemals rechtzeitig durch die Berge schaffen. Alle meine Pläne, die Feuer in Nordkalifornien zu umgehen, waren hinfällig. Kalifornien war dicht. Mein Abenteuer stand vor dem Aus. Ich blickte ungläubig auf mein Handy. Die Nachricht zog mir den Boden unter den Füßen weg. Plötzlich war ich einfach nur noch unendlich müde, wütend, frustriert und enttäuscht. Ich war kurz davor, in Tränen auszubrechen. War dies das Ende meiner Wanderung? War jetzt wirklich alles umsonst gewesen?
Nach mehr als 7.000 Kilometern und über 150 Tagen in der Wildnis schien alles, wofür ich in den letzten Monaten so hart gearbeitet hatte, vergebens zu sein. Alle Umwege, alle Plananpassungen, all die Schmerzen und die unzähligen Meilen schienen plötzlich völlig wertlos zu sein. Alle meine Überlegungen, wie ich die Feuer in Nordkalifornien umgehen wollte, verpufften. Der Trail hatte mir viele Steine in den Weg geworfen. Bis hierhin hatte ich alle aus dem Weg geräumt und war an der Herausforderung immer weiter gewachsen, doch die aktuelle Schließung schien einfach keine Option mehr offen zu lassen. Zu groß war der betroffene Bereich.
Andere Hiker rieten mir dazu, nun auch endlich aufzugeben und den Trail zu verlassen, aber mir war klar, dass es keinen dritten Versuch für den Great Western Loop geben würde. Ich versuchte mich abzulenken, indem ich an das Schicksal jener Menschen in South Lake Tahoe und Chester dachte, die gerade um ihre Existenz kämpften und ganz andere Sorgen plagten als mich. Die Vorstellung dessen, was gerade viele Menschen durchmachen mussten, bewegte mich sehr. So frustriert ich auch war, so war für mich klar, dass ich mich an die Vorgaben halten würde. Die Entscheidung des U.S. Forest Service war nur schwer für mich zu akzeptieren. Aber nachvollziehbar. Bei mehr als 100–130 zeitgleich brennenden Feuern waren die Behörden einfach am Limit. Die Vorstellung, wegen eines albernen Rekordversuches selbst in Schwierigkeiten zu geraten und dadurch Einsatzkräfte zu binden, während irgendwo die Existenz eines Menschen abbrannte, machte mir die Entscheidung einfacher. Ich hatte kein Recht mein Abenteuer über das Wohl der Menschen vor Ort zu stellen.
Über den schönsten Moment muss ich tatsächlich lange nachdenken.
Es gab unzählige wundervolle Momente. Die Begegnung mit Schwarzbären, oder den beiden Pumas die mit unvergleichlicher Eleganz durch die Berge sprangen, die Geysire im Yellowstone Nationalpark, oder die unendliche Weite der gnadenlos trockenen Wüste Arizonas, oder die wundervolle Einsamkeit in einer Welt aus Eis und Schnee tief in den Rocky Mountains.
Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir aber jener Moment, als ich Anfang Juni das Ende der Rocky Mountains in Colorado erreichte. Der Weg zum Bridger Pass war schwer, aber von hier ging es stetig bergab. Geradewegs durch die Medicine Bow Wilderness, deren Wegweiser nur zur Hälfte aus dem Schnee herausragten. Um 09:05 Uhr war es dann so weit. Der Blick nach Norden lag frei. Was ich sah, war nichts. Keine Berge, kein Schnee und auch keine reißenden Flüsse. Nur flaches, grünes Land. Ich atmete durch und setzte mich für einige Minuten auf den letzten Rest des Schnees. Ich schnallte meine Schneeschuhe ab und spürte, dass meine Füße etwas wärmer waren als üblich. Als ich meine Socken auszog, sah ich, dass diese von innen blutgetränkt waren.
Im weichen Schnee der letzten Meilen, hatte ich meine Schneeschuhe so oft mit aller Kraft aus dem Schnee ziehen müssen, dass die Gummi-Schnallen mir tief ins Fleisch geschnitten hatten und meine Füße an einigen Stellen aufgeplatzt waren. Doch das alles war egal. Ich hatte Colorado und die Rocky Mountains im Mai geschafft. Noch heute bewegt mich jenes Bild, das ich an diesem Ort schoss, zutiefst. Auf den unwissenden Betrachter wirkt das Bild völlig unscheinbar, doch für mich ist es voller Emotionen. Die Last und die Sorgen, die in diesem Moment von meinen Schultern fielen, sind nicht in Worte zu fassen. Ich spürte pure Erleichterung, Stolz und eine tiefe Genugtuung. Die letzten Wochen in Colorado waren unfassbar hart und entbehrungsreich gewesen. Ich hatte kämpfen und Ängste überwinden müssen, um so weit zu kommen und dennoch wollte ich keinen dieser Tage missen. Diese Wochen im Schnee haben mich nachhaltig geprägt. Doch nun konnte ich den Trail endlich wieder sorgenfrei genießen. Das, was viele Hiker abschreckte, hatte ich erfolgreich durchgestanden. Colorado im Mai war ein gefährliches Abenteuer gewesen.
Zu behaupten, ich hätte „überlebt“, klingt zu dramatisch, aber es war manchmal knapper als mir lieb war.
Gab es eine besondere zwischenmenschliche Begegnung/Erfahrung?
Ja, es gab viele besondere Begegnungen. Ich bin den Amerikanern sehr dankbar, für die Unterstützung die ich unterwegs erfahren habe. Es ist sehr bewegend, wenn wildfremde Menschen dir mitten in der Wüste eine Handvoll Erdbeeren, oder aus einem vorbeifahrenden Auto eine Dose Cola reichen. Manchmal wollten Menschen mein Essen im Restaurant bezahlen, nachdem sie meine Geschichte gehört hatten. Diese Unterstützung hat mich immer wieder motiviert weiterzulaufen und mir durch so manches Tal geholfen. Eine Situation ist mir aber in besonderer Erinnerung geblieben.
In Grants, New Mexico sah ich einen alten, obdachlosen Mann, der mir zuwinkte. Instinktiv winkte ich ab und bevor ich wirklich hörte, was er zu mir sagte, hatte ich bereits ein lapidares und ablehnendes „Thanks, i´m fine“ ausgesprochen. Erst dann drangen seine Worte wirklich zu mir durch. „Hey, are you hungry? I got two sandwiches and i´m happy to share!” Ich stutzte und realisierte meinen Fehler. Doch ich hatte bereits reagiert und bekam als Antwort darauf ein: „Alright, just asking. I know how it feels to be hungry.“ Mir rutschte das Herz in die Hose und ich hatte einen Kloß im Hals. Ich fühlte mich armselig und hatte nicht den Anstand, um stehenzubleiben. Mit meinen zerrissenen Kleidern sah ich kaum einen Deut´ besser aus als jener Mann, den ich gerade verurteilt und abgewertet hatte. Aus Angst, selbst etwas abgeben zu müssen oder gar zu verlieren, hatte ich ablehnend und respektlos reagiert.
Der Mann wollte mir nichts nehmen. Das Gegenteil war der Fall, denn wohlwissend, wie es sich anfühlt, hungrig zu sein, wollte er jenes bisschen Essen, das er in seiner spärlichen Plastiktüte hatte, mit mir teilen. Wie heißt es doch so schön? „Don´t judge a book by it´s cover“. Selten war dieses Sprichwort treffender als in diesem Moment. Ich hatte einen grausamen Fehler gemacht und diese kurze Begegnung, die kaum zwei Minuten dauerte, hängt mir noch heute nach. In eben jenem Moment war nicht der obdachlose Mann arm, sondern ich. Charakterlich arm. Es soll mir eine Lehre sein.
Der Mensch, ein Herdentier, der eine mehr, der andere weniger.
Was hat das Alleine sein mit dir gemacht? Hast du dich mal einsam gefühlt? Und wie konntest du damit umgehen?
Hier ist es wichtig zwischen Einsamkeit und dem alleine sein zu unterscheiden.
Ich bin gerne allein und fühle mich in großen Gruppen eher unwohl. Das Gefühl, allein zu sein, ist hierbei aber keineswegs gleichzusetzen mit Einsamkeit. Ich habe mich dort draußen nie einsam gefühlt. Ich war umgeben von einigen der schönsten Landschaften die diese Erde zu bieten hat und habe mich dort draußen stets behütet gefühlt. Ich habe wundervolle Begegnungen mit wilden Tieren und gelegentlich auch anderen Wanderern erlebt.
Zudem war mir klar, dass ich knallhart zu mir sein musste um den Great Western Loop zu schaffen. Diese Härte konnte ich von keiner anderen Person zumuten und ich war auch nicht bereit die zusätzliche Verantwortung für eine weitere Person zu übernehmen. Ich wollte mich ganz bewusst auf mich und mein Ziel konzentrieren. Kompromisse würden mich nicht ans Ziel bringen.
Ich erinnere mich noch gut an meinen aller letzten Tag auf dem Trail. Rastlos und mein Ziel vor Augen habend beschloss ich gegen 4:00 Uhr, aufzustehen und mein Zelt abzubauen. Um mich herum hörte ich ein konstantes und unheimliches Bellen und Heulen einer Gruppe Coyoten. Mehrfach drehte ich mich um und suchte mit der Taschenlampe meines Handys die Umgebung ab. Angst hatte ich aber nicht. Die Coyoten waren mein letztes Geleit auf dem Weg in die Stadt. Eine Ehrenformation des Waldes, die mich auf meinen letzten Metern begleitete und sicher in die Stadt führte.
Es war ein letzter Gruß der Natur am Ende einer langen und intensiven Beziehung, in der wir uns gut kennengelernt hatten. Es war, als würde der Wald von mir Abschied nehmen und mir ein allerletztes Mal Respekt zollen wollen. Auf diesen letzten Metern konnte mir nichts mehr passieren. Ich fühlte mich behütet und beschützt und ich genoss jeden einzelnen Atemzug.
Zu sagen, dass ich Teil der Natur geworden bin klingt absurd, aber die Wahrnehmung der Natur und seiner Eigenheiten verändert sich, wenn man mehrere Monate dort draußen verbracht hat. 
Hast du dir mentale Techniken angeeignet, die dir unterwegs geholfen haben, wenn ja verrätst du sie uns?
Gab es Momente in denen du aufgeben wolltest und das Gefühl hattest du schaffst es nicht ? Wenn ja was hat dir geholfen weiterzumachen?
Ja, zum einen habe ich versucht mich immer nur auf die gerade vor mir liegende Etappe zu konzentrieren, um nicht von der Größe der Herausforderung überwältigt zu werden. Ich habe mir die Tour in viele kleine Etappen eingeteilt, die allein betrachtet alle gut zu bewältigen waren. Ich hatte stets ein klares Ziel vor Augen. Die nächste Stadt, der nächste Burger, oder die nächste Dusche in einem kleinen Motel. Natürlich musste ich aber auch immer wieder vorausschauend planen und die restliche Strecke im Blick behalten. Ich habe mir daher auch immer wieder vorgestellt, wie ich am Ende der Tour nach Flagstaff einlaufe. Jene Stadt in der ich Ende März gestartet war. Ich habe mir vorgestellt, wie ich am Ortsschild auf die Knie sinke und meine Faust in den Himmel recke. Wissend, etwas geschafft zu haben, was vor mir noch kein Mensch geschafft hatte. Dieses Bild hat mich motiviert und mich immer wieder angetrieben.
In schwierigen Momenten half mir zudem das Gedicht “Invictus” von William Ernest Henley. Invictus bedeutet soviel, wie “Unbezwungen”, oder “Unbesiegt” und jenes Zitat hat Nelson Mandela während seiner Gefangenschaft auf Robben Island Kraft gegeben. Die entscheidende Passage lautet “I am the master of my fate, i am the captain of my soul.” Es geht darum, dass eigene Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und die Verantwortung für die eigenen Entscheidungen in voller Konsequenz allein zu tragen. Und es geht darum, seine Einstellung und Geisteshaltung entsprechend anzupassen. Ausreden zählen nicht. Niemand außer mir selbst trägt die Verantwortung für meine Entscheidungen. Im tiefsten Schneesturm hatte ich nicht die Option mich weinend in die Ecke zu setzen und darauf zu vertrauen, dass mich jemand aus der Situation befreit. Ich selbst musste aktiv werden. Ich selbst musste handeln und eine Lösung finden. Ich hatte mich bewusst für dieses Abenteuer entschieden und musste mich mit den Konsequenzen auseinandersetzen.
Was mir noch geholfen hat, waren funktionierende Routinen. Klar strukturierte Abläufe, die mich nicht ins Grübeln kommen ließen. So schaffte ich es morgens innerhalb weniger Minuten zu frühstücken und wieder auf dem Trail zu sein, egal wie das Wetter war.
Der Geist beherrscht den Körper, kannst du das bestätigen?
Absolut. Die körperliche Herausforderung war enorm, aber nicht zu vergleichen mit dem, was mir der Trail mental abverlangt hat. Insbesondere die andauernden Waldbrände im Westen der USA haben mir immer wieder riesige Steine zwischen die Beine geworfen, die mich an meinem Vorhaben, haben zweifeln lassen. Der Great Western Loop war eine Achterbahn aus extremen Emotionen. Pures Glück und absolute Verzweiflung wechselten sich regelmäßig ab.
Mal saß ich weinend vor Glück auf dem Trail. Mal traurig und frustriert, mit dem Gefühl, dass sich der ganze Trail gegen mich verschworen hatte. Aber auch in Momenten größter Verzweiflung bin ich immer wieder aufgestanden und weitergelaufen. Ich hatte es geschafft, mir stets diesen einen kleinen Funken Hoffnung zu bewahren und mich daran zu klammern. Hoffnung ist ein mächtiges Werkzeug. Wenn die Chancen schlecht stehen und es scheint, als hätte sich die Welt gegen uns verschworen, dann braucht es manchmal eine gewisse Sturheit, dennoch auf das Unmögliche zu hoffen. Denn auf Hoffnung können neue Wege gebaut werden. Ohne diese Hoffnung hätte ich nie die Kraft gehabt all die Strapazen auszuhalten.

Im Alltag sind wir oft nicht bei dem was wir gerade tun. Entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft, dabei “ist der Weg das Ziel ” wie man so schön sagt. Vor allem bei unseren Zielen, die wir uns stecken, genießen wir oft den Weg dahin zu wenig, obwohl der Moment , in dem wir das Ziel erreichen meist der kürzeste Moment ist.

Wie war das für dich? Konntest du den Weg genießen oder war das Endziel so gegenwärtig ?

Mein Endziel war natürlich allgegenwärtig. Die Faszination als vielleicht erster Mensch der Welt den Great Western Loop gegen den Uhrzeigersinn zu schaffen hat mich dabei auch immer wieder angetrieben. Ich habe viele Momente dort draußen sehr genossen, aber auch immer wieder gemerkt, dass mein Ziel seinen Tribut gefordert hat. Oft wäre ich gerne etwas länger an einem See geblieben, oder in einer hübschen Kleinstadt, doch der drohende Wintereinbruch hat mich immer wieder auf den Trail gezwungen.
Der mentale Druck die Sierra Nevada nicht rechtzeitig zu erreichen, war stets präsent und hat mich viel Kraft gekostet. Es war aber auch von vornherein klar, dass dieses Wettrennen kein “Genuss”, sondern vielmehr eine physische und psychische Herausforderung werden würde. Darauf war ich eingestellt. Genossen habe ich die Freiheit dort draußen. Die Ehrlichkeit des Trails und die Einfachheit des Lebens. Zum Ende hin war ich sehr hin- und hergerissen. Ein Teil von mir wollte die Strapazen endlich beenden, der andere Teil von mir hatte Angst vor dem, was wohl danach kommen würde.

Kannst du den Moment beschreiben, indem du dein Ziel erreicht hast? Als du am Endpunkt deiner Reise angekommen bist? Welche Gefühle haben dich da begleitet und was hat dein Körper dir gesagt ?

Es war still, als ich Flagstaff erreichte. Es gab keine Fanfaren und auch kein Empfangskomitee. Niemand applaudierte. Niemand feierte mit mir. Niemand nahm Notiz von meinem Erfolg und niemand wartete dort auf mich. Für die Menschen auf den Straßen Flagstaffs war ich nur ein dreckiger, stinkender Hiker, den es zu meiden galt. Es war still. Unendlich still. Ich war allein mit mir und meinen Gedanken. Allein mit mir und meinem Triumph – und das war okay so.
Ich hatte dieses Abenteuer auf mich genommen, um meine Grenzen zu testen, um etwas zu erreichen, was für immer allein mir gehören sollte. Vielleicht klingt es arrogant, aber der einzige Mensch, der in diesem Moment wirklich nachempfinden konnte, welche Strapazen ich erlebt hatte, war da. Und das war ich selbst. Während ich weiter in Richtung Stadtmitte ging, dachte ich an all die schönen und schwierigen Momente, die ich unterwegs erleben durfte. Ich wurde etwas wehmütig, machte ein Abschlussfoto im Stadtzentrum und genoss in aller Ruhe mein letztes Trail-Frühstück in einem kleinen Restaurant. Körperlich ging es mir recht gut, aber ich war mental einfach ausgebrannt.
222 Tage lang war ich oft bis zu 14 Stunden pro Tag gelaufen. Der Great Western Loop war damit der härteste Job den ich je gemacht hatte und ich sehnte mich nun nach etwas Abwechslung vom täglichen Laufen.

Am Ende bleibt das Gefühl, es geschafft zu haben. Allen Widerständen getrotzt zu haben. Das Gefühl, niemals aufgegeben zu haben, egal wie schlecht die Chancen standen und egal wie groß die Schmerzen waren. Ich habe für diesen Erfolg gelitten und meine eigenen Grenzen verschoben. Es ist unmöglich, dieses Gefühl zu beschreiben. Es ist einzigartig. Während all der Strapazen, während all der stetig wechselnden Herausforderungen, gab es eine durchgehende Konstante: meinen ungebrochenen Willen. Den unbedingten Willen, den Great Western Loop zu schaffen, und den klaren Blick, für das, was dafür zu tun war.

 

Was nimmst du für den Alltag aus dieser Grenzerfahrung mit?

Dort draußen habe ich gelernt, dass Motivation, Leidenschaft und Wille die größten Garanten für Erfolg sind. Nichts ist stärker als ein klares Ziel, eine Vision oder diese eine Idee, die unsere Augen zum Funkeln bringt.
Dann spielen auch das Gewicht des Rucksacks, eine Patella Dysplasie oder der Rückschlag durch eine Giardia-Infektion keine Rolle mehr. Unfassbare Dinge sind möglich, wenn man an sich selbst und seinen Traum glaubt und bereit ist, den notwendigen Einsatz dafür aufzubringen.
Nicht immer funktioniert alles auf Anhieb. Auch ich brauchte zwei Anläufe für den Great Western Loop. Das Gegenteil von Erfolg ist aber nicht, zu scheitern. Das Gegenteil von Erfolg ist aufgeben. Scheitern ist ein wichtiger Bestandteil auf dem Weg zum Triumph. Das Leben ist manchmal ein Arschloch. Und jeder von uns hat sein ganz persönliches Paket aus Rückschlägen, schlechten Erfahrungen und Zweifeln zu tragen. Letztlich geht es jedoch darum, sich mit diesen Dingen auseinanderzusetzen, die richtigen Lehren daraus zu ziehen und seine Krone zu richten, während man aufs Neue aufsteht und weiterläuft.
Was ich aber insbesondere mitnehme ist eine innere Ruhe. Der Great Western Loop hat mich vor eine Vielzahl völlig neuer Herausforderungen gestellt. Irgendwie habe ich es geschafft für jede dieser Herausforderungen eine Lösung zu finden. Mir ist bewusst, dass ich nicht auf alle Fragen und Herausforderungen des Lebens eine Antwort habe, aber ich weiß nun, dass ich die Kraft und das notwendige Rüstzeug habe, um auf alles eine Antwort zu finden. Diese Gewissheit erarbeitet zu haben lässt mich sehr entspannt und optimistisch in die Zukunft blicken. Das ist der Lohn meines Abenteuers und es fühlt sich sehr gut an.
Jetzt will ich erstmal anderen Menschen Mut machen, die eigene Komfortzone zu verlassen. Mal wieder Dinge zu tun, von denen man selbst überzeugt ist, egal was das Umfeld sagt. Hierbei spielt es keine Rolle, wie groß oder klein der Traum ist. Ob der Traum aus einem Fernwanderweg, einer Selbstständigkeit oder vielleicht einer neuen beruflichen Herausforderung besteht.
Ich weiß, wie einsam die Welt erscheinen kann, wenn niemand sonst an die eigenen Ziele und Träume glaubt. Ich weiß, wie es sich anfühlt, belächelt und für verrückt erklärt zu werden. Ich weiß, wie es sich anfühlt, nicht ernstgenommen zu werden. Das alles ist in Ordnung. Das alles sind Momente, die wir uns gut einprägen sollten. Diese Momente enthalten Energie und es liegt an uns, ob wir uns von der Negativität herunterziehen lassen oder daraus eine „Jetzt-erst-recht“-Mentalität entwickeln und jene Energie in etwas Positives umwandeln. Es ist okay, Angst vor Veränderung zu haben.
Momente, in denen ich keine Angst habe, sind Momente, in denen ich faul auf der Couch liege und Netflix schaue. Momente, in denen ich keine Entscheidung treffe, Risiken vermeide, dumm und faul vor mich hinlebe und das Heft des Handelns aus der Hand gebe. Veränderungen bedeuten Ungewissheit, Ungewissheit birgt ein Risiko, aber jedes Risiko birgt auch eine Chance. Jenes Risiko, vor dem wir uns so sehr sträuben, könnte ebenso gut jene Chance sein, die unser Leben zum Besseren verändert. Jeder Traum hat ein Recht darauf, gelebt zu werden. Es liegt an uns selbst, dies wahr werden zu lassen
Wann geht’s wieder los und was ist dein nächstes Ziel ?
Ich bin gerade nach Hamburg gezogen und will dieses Jahr nutzen um Vorträge über den Great Western Loop und Workshops unter dem Thema “Fernwandern leicht gemacht” zu geben, um mehr Menschen an dieser Faszination teilhaben zu lassen. Es müssen ja nicht gleich 11.000 km sein 😉
Danach würde ich aber gerne mal auf etwas kürzere Trails gehen und dort mit einer Drohne tolle Videoaufnahmen machen.
Mehr Infos zu mir und zum Great Western Loop gibt es auf www.justagermanhiker.com
oder
Projektmanagement-Trainings:
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Wir starten an der Grundschule in Lautenthal und biegen auf einen kleinen Pfad oberhalb der Innerste ein. Rechts ragen Felsen aus dem Berg und der Pfad schlängelt sich drum herum. Bäume sind direkt auf den Felsen gewachsen und mir kommt der Gedanke, dass die Natur sich immer einen Weg sucht. Ganz nach dem Motto „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“.

Das Plätschern des Flusses, welches uns auf der linken Seite begleitet, hat eher etwas Reißendes. Die Wucht der Wasserkraft ist deutlich zu hören. Ganz anders als noch vor ein paar Wochen. Da glich das Geräusch der Innersten eher einem gemütlichen Plätschern, die großen Steine ragten noch aus dem Wasser und verteidigten in ihrer majestätischer Pracht ihren Platz.

Der Pfad ist schneebedeckt, wie der Rest der Landschaft auch. Unter dem Schnee befindet sich eine dünne Eisschicht, der jeden unserer Schritte zur Achtsamkeitsübung werden lässt, denn wir haben mittlerweile eine gewisse Höhe erreicht, so dass ein Sturz zu unserer Linken nicht ganz ungefährlich wäre.

Ich bin diesen Pfad bereits unzählige Male in meinem Leben gegangen und er erscheint mir jedes Mal in einem anderen Licht, so als würde ich ihn zum ersten Mal gehen. Wir folgen dem Weg bis zum Ende, biegen rechts ab und gehen ein kleines Stück an einer wenig befahrenen Straße entlang, bis wir kurze Zeit später wieder rechts in den Wald einbiegen.

Die ganze Schneelandschaft ringsherum bietet ein beeindruckendes Bild. Die Bäume sind weiß gezuckert und biegen sich teilweise unter der Schwere der Schneelast, so dass wir ab und an unter einem Baum hindurch krabbeln müssen. An anderen Stellen empfangen uns die Bäume mit wohlgeformten Biegungen, so als hätten sie auf uns mit einer Verneigung gewartet.

Der Weg ist nun kein Pfad mehr und durch den Schneefall der letzten Tage zu einer richtigen Rodelbahn geworden. Wo es ansonsten menschenleer ist, treffen wir heute auch einige Leute, die mit dem Schlitten unterwegs sind. Der Schnee verschluckt allerdings jegliche Geräusche und hüllt die Umgebung in ein sanftes Schweigen. Welch Wohltat für Körper und Geist.

Die Steigung lässt unser Herz bereits ein paar Takte schneller schlagen, so dass wir eine kurze Trinkpause einlegen und dabei die Landschaft genießen. Nach ein paar Minuten setzen wir den Weg fort und schlendern an einem Bach vorbei, der uns mittlerweile auch eine lautere Geräuschkulisse bietet, als noch vor einigen Wochen. Die Steigung nimmt stetig zu. Die Tierspuren sind nicht mehr zu übersehen. Hier ist ganz schön was los, nur dass die Tiere, abgesehen von den Spuren im Schnee und wechselnden Gerüchen, für uns unsichtbar bleiben. Auch der Luchs hat hier sein Revier. Bei jeder Tour hoffen wir erneut ihn einmal zu Gesicht zu bekommen.

Der Weg der Philosophen

Wir folgen dem Philosophenweg bis zur “Schönen Aussicht”. Der Weg ist eher etwas für Geübte, da die Steigung schon ganz ordentlich ist. Je steiler der Weg, desto schöner die Aussicht, meistens jedenfalls, wie auch hier. Es lohnt sich auf jeden Fall die Strapazen auf sich zu nehmen. Die “Schöne Aussicht” macht ihrem Namen alle Ehre und bietet einen grandiosen Blick über meinen Heimatort Lautenthal. Jetzt so verschneit wirkt der Ort wie die Kulisse eines Märchens. Dieser Platz bietet auch für Wanderfans des Stempelheftes der Harzer Wandernadel als Belohnung den Stempel mit der Nummer 106.

Ein Pavillon mit Sitzgelegenheiten und mehrere Bänke, sowie einem Tisch bieten, außerhalb des Pavillons, für jede Jahreszeit die Möglichkeiten eine entspannte Pause einzulegen und die “Schöne Aussicht” zu genießen. Auch hier ist heute reges Treiben. Ungewohnt für uns, so sind wir doch hier meistens ganz für uns.

Der Bielsteinkopf 

Wir machen keine Pause, sondern folgen einem weiteren steilen Anstieg in Richtung „Bielsteinkopf“. Dieser bietet uns kleine Klettereinheiten durch einen umgestürzten Baum. Auf der rechten Seite des Weges zeichnen die schneebedeckten Berge in der Ferne ein landschaftliches Meisterwerk. Diese Aussicht stimmt mich jedes Mal demütig. Das Gefühl ein kleines Wesen in der Größe der Welt zu sein, aber mich gleichzeitig gar nicht klein zu fühlen, sondern verbunden und eins mit mir und der Natur ist so ein geborgenes Gefühl.

Auch hier lohnt sich der Aufstieg, denn ich finde diese Aussicht persönlich noch beeindruckender als die vorherige. Oben angekommen empfängt uns eine stürmisch kalte Brise, was uns allerdings nicht davon abhält Fotos von dieser beeindruckenden Aussicht zu schießen und die klare und reine Luft zu genießen.

Die Wasserquellen

Wir laufen weiter durch den Schnee und ich merke, wie die Endorphine nur so sprudeln. Nach einem kurzen Abstieg geht es nochmal ein kurzes Stück bergauf . Zu unserer linken Seite begleitet uns dabei ein malerischen Ausblick auf die entfernten Berge. Oben angekommen geht es jetzt auf einen breiten Waldweg hinab. Wir halten rechts und links nach den Waldbewohnern Ausschau, können aber außer weiteren Tierspuren nichts entdecken. Wir passieren einen stillgelegten Stollen und zwei Quellen (Wolfgang-Quelle und Brechelt-Quelle) . Dafür lohnt es sich in jedem Fall eine leere Flasche einzupacken. Das Quellwasser schmeckt köstlich. Kurz bevor wir wieder am Ausgangspunkt angelangen, passieren wir einen abwechslungsreichen und wunderschön gestalteten Waldspielplatz. Auch hier bietet sich ein toller Ausblick auf einen Teil von Lautenthal. Zu sehen ist unter anderem die besonders eindrucksvolle Paul-Gerhardt Kirche.

Achtsam steigen wir einen kleinen Pfad hinab (aufgrund der Steigung und der Glätte), der uns zurück auf den Geologischen Lehrpfad bringt. Wir kommen an glitzernden Eiszapfen vorbei. Im Hintergrund kündigt sich die Innerste mit ihren durchrauschenden Wassermassen an. Wir schießen ein Abschlussfoto und dann geht es nach Hause. Wir freuen uns, dass wir nicht fahren müssen, sondern jetzt dort wohnen, wo andere Urlaub machen.

Highlights: Geologischer Lehrpfad, beindruckende Aussichten, bei Schnee-tolle Rodelbahnen, einen Wanderstempel der Harzer Wandernadel Nr. 106, ein stillgelegter Stollen mit Erklärung (gelbe Schilder), 2 Quellen mit der Möglichkeit sich Wasser abzufüllen, ein abwechslungsreicher und toll gestalteter Waldspielplatz.

Weitere Infos findest du hier.