Vanessa Ringat – Als die Angst nicht mehr ging


Mein unvermeidlicher Weg in die Angststörung und meine Wanderung hinaus.

Heute fällt es mir leicht, über diese Themen zu schreiben. Geht es uns nicht allen so, dass wir nach einer durchgestandenen Krise denken „ach war ja alles nur halb so wild, das habe ich überlebt.“ Aber wenn man mittendrin steckt, dann fühlt sich das Loch so tief an, dass man denkt niemals hinaus zu kommen.

Als Jasmin mich fragte, ob ich nicht einen Beitrag für ihren Newsletter schreiben wolle, war ich erst überrascht. Möchte meine Geschichte wirklich jemand hören? Ich bin doch nur Vanni von nebenan. Die vergangenen Jahre haben mir aber gezeigt, dass psychische Erkrankungen immer noch ein Tabuthema sind, dass wir uns dafür schämen, wenn unsere Seele erkrankt.

Meine Vision ist, das zu ändern. Es ist okay, wenn es dir nicht gut geht und du kannst wieder gesund werden.

 

Wer bin ich?

Wer ist diese Vanessa von nebenan also? Ich bin 38 Jahre alt, habe zwei Kinder im Alter von zwei und sechs Jahren und einen sehr liebevollen und unterstützenden Ehemann. Ich hatte auch immer einen sehr sicheren und gut bezahlten Job. Jackpot oder? Warum ist sie dann überhaupt krank geworden?

Wahrscheinlich war es die Summe aus Vielem, aber vor allem das Ignorieren meines Herzens, meiner Seele und den damit einhergehenden Werten.

 

Die Werte des Lebens

Hast du dich schonmal gefragt, was deine Werte sind und ob du danach lebst – privat und beruflich? Das Tückische oder eigentlich Gute ist, dass dein Unterbewusstsein deine Werte natürlich kennt und merkt, ob du nach ihnen lebst oder eben nicht. Also wird dir deine Seele auf kurz oder lang schon den richtigen Weg zeigen, auch wenn es durch eine Krankheit ist.

Meine Werte waren schon immer Ehrlichkeit, Authentizität, Respekt für Mensch, Tier und Umwelt, Nächstenliebe und Freiheit, Abenteuer, Wissensdurst.

Diese Werte konnte ich in meinen Beruf als Abteilungsleiterin in einem Industrieunternehmen schlichtweg nicht leben. Ich war noch recht jung für diese Verantwortung und versuchte diesen Mangel mit mehr Arbeit zu kompensieren, mehr Wertschätzung für meine Mitarbeiter in meinem Kosmos, mehr Miteinander zwischen den Abteilungen. Ich fühlte mich wie eine müde Löwin, die für das Gute kämpfte. Zwei Burnouts später, war ich noch immer Teil dieser Firma. Meine Seele musste mir wirklich viele Signale senden und war geduldig mit mir.

Als in diesem ganzen Wirrwarr mein Mann in mein Leben trat, veränderte sich Vieles. Ich konnte meine Werte kaum noch ignorieren, wollte nicht mehr bis in die späten Abendstunden im Büro sitzen und meinen Urlaub bis ins nächste Jahr aufschieben. Ich wollte leben – JETZT. Privat erfüllte sich ein Traum, wir zogen schnell zusammen, feierten eine Traumhochzeit und bekamen unser erstes Kind. Soviel Sinn erfüllte mich. Ich genoss die Zeit zu Hause sehr und die Angst vor dem Wiedereinstieg in meinen alten Beruf, wurde übermäßig groß.

Für mich gab es zu dem Zeitpunkt aber keine Alternative. Heute weiß ich, dass ich mir einfach nicht die richtigen Fragen gestellt hatte.

Als mein Sohn 1 1/2 Jahre alt war, ging er also zur Tagesmutter und ich wieder ins Büro. Es war furchtbar. Die Trennung viel mir schrecklich schwer. Er weinte, ich weinte und nachmittags waren wir beide so erschöpft von dem Tag, dass eigentlich kein richtiges Leben mehr stattfand. Jeden Tag fragte ich mich immer und immer wieder, wo ist hier der Sinn? Was tue ich hier?

Ich möchte nicht, das hier ein falscher Eindruck entsteht. Ich finde es total wichtig und schön, als Mama wieder arbeiten zu gehen, besonders, wenn dich dein Beruf erfüllt, dich glücklich macht und du viel Wertschätzung erfährst. Dann kann es eine wahre Bereicherung sein, denn ich finde gerade Selbstbestimmung und Verwirklichung kommen als Mutter ja oft zu kurz. Ich sehnte mich aber einfach nach Zeit mit meinem Kind, nach Unbeschwertheit und Freiheit.

Rückblickend bin ich ziemlich schnell krank geworden und dennoch dauerte es fast ein ganzes Jahr, bis ich es erkannte.

 

Meine erste Panikattacke

Genau in der Silvesternacht von 2016 auf 2017 hatte ich meine erste Panikattacke. Wir lagen schon zeitig im Bett, waren alle erkältet und wollten einfach nur schlafen. Da kam plötzlich ein Gefühl hoch. Heiß und kalt, Herzrasen, Übelkeit, kribbelnde Hände und Füße und ich war mir sicher, dass es jetzt vorbei war. Ich dachte an einen Schlaganfall, Herzinfarkt oder was auch immer. Dieses Gefühl „hier stimmt etwas nicht“ nahm mir regelrecht die Luft zum Atmen. Ich alarmierte meinen Mann und wir versuchten mich irgendwie auf die Beine zu bekommen, rauszufinden was ist, aber wir waren völlig überfordert und riefen den Notarzt.

Um das Ganze abzukürzen, ich verbrachte Silvester im Krankenhaus, wurde nur halbherzig untersucht und wieder entlassen, fuhr mit dem Taxi nach Hause und weinte die ganze Nacht. Ich glaube, dass die Ärzte ahnten, dass es eine Panikattacke war, es sprach aber niemand aus und ich war mit meinen Sorgen alleine. Ich erholte mich so halbwegs und der Alltagstrott ging von vorne los. Arbeiten, weinen, sich nach dem Sinn fragen.

Im April buchten wir einen schönen Urlaub in der Toskana. Das war schon immer ein Traum von mir. Und da lag ich dann in unserem Garten, in der Sonne, guckte in die Ferne und fühlte mich einfach nur leer und traurig. Alles dumpf und trostlos und ohne Sinn. Natürlich weiß ich heute, dass ich auf jeden Fall schon eine mittelschwere Depression hatte. Ich hatte plötzlich Angst vor allen möglichen Erkrankungen, Ausflügen und mein Körper spielte verrückt, er schickte mir 100 Symptome und ich war nur noch durch den Wind. Mein Körper und Nackenbereich waren so verspannt, dass mir regelmäßig schwindelig wurde.

Im Sommer kam dann die  bleibende Angst dazu. Ich hatte einfach immer Angst. Jeden Tag, den ganzen Tag. Ich hatte einen rasenden Puls, mir war übel und ich quälte mich durch jeden Tag. Eine absolute Belastung für unsere Beziehung und auch für meinen Sohn. Ich konnte es ja selber nicht verstehen.
Meinen einzigen Trost fand ich im Laufen. Jeden Tag lief ich mindestens eine Runde durch den Wald. Ich fühlte mich dabei wieder lebendiger und merkte, dass da noch ein bisschen Vanessa in diesem Körper steckt.

Als ich ein Meeting vorzeitig verlassen musste, weil ich eine Panikattacke bekam, zog ich die Reißleine und ließ mich krankschreiben. Auf unbestimmte Zeit, mir war alles egal.
Zu Hause ging es mir zwar besser, aber die Frage, wie ich wieder zurück in den Alltag komme, quälte mich so sehr, dass ich bei dem bloßen Gedanken an die Arbeit, Schwindelanfälle bekam. Ich konnte mittlerweile nicht mehr schlafen, weil mich die Ängste auch in der Nacht heimsuchten.

 

Masterplan 

Ich wühlte mich durch Internetforen, las alles über Stress, Angst und Panikattacken was ich finden konnte und ganz langsam gestand ich mir ein, dass es so nicht weitergehen kann. Ich erarbeitete mir einen Masterplan, recherchierte, rechnete, grübelte, sprach mit meinem Mann und kündigte dann meinen Job. Ja genau – von heute auf morgen. Ich kündigte ebenfalls den Platz meines Sohnes bei der Tagesmutter und hatte ihn fortan bei mir zu Hause.

Und dann? Ich heilte. Ich machte eine Therapie, Yoga, ich meditierte, klopfte EFT, sang Mantren und entdeckte so viel Neues an mir. Ich tanzte, wenn mir danach war und genauso weinte ich. Ich wurde dankbar und demütig für die kleinen Dinge und integrierte meine Werte in mein Leben.

Heute schreibe ich sogar ein Buch über meine Erfahrung und meinen Weg und wünsche mir, dass es vielen Menschen hilft.
Ich bin nie wieder in ein Büro zurückgekehrt.

Ich habe eine wundervolle Aufgabe gefunden, die mich Selbstverwirklichung und Familie vereinbaren lässt, die Sinn stiftend und gut für Mensch, Tier und Umwelt ist. Sie lässt mich Neues lernen und mich frei fühlen. Ich bin heute voller Träume und Visionen für meine Zukunft und dieses neue Lebensgefühl ist unbezahlbar.

Wenn ich dir mehr über meinen Weg und meine neue Berufung erzählen darf, folge mir bei Instagram www.instagram.com/vannis__world/ oder finde weitere Informationen hier:

https://vanessa-ringat.ringana.com/corporate/distribution/